Weniger ist mehr – Minimalismus im Kleiderschrank

Minimalismus vs. Bitte einmal alles. Seit ich denken kann, bin ich ein Sammler. Mein Motto ist: Haben ist besser als Brauchen. Im Dauer-Bastel-Modus von muckout hat diese Einstellung endlich ihren Zweck gefunden. In meinem Kleiderschrank allerdings nervt sie mich. Dazu kommt: ich möchte an meinem Konsum-Verhalten etwas ändern. Schon seit Längerem hadere ich mit meinem Shopping-Gewohnheiten. Nein, ich bin jetzt nicht die Dauer-Käuferin und überhaupt ist mein Kleiderschrank von überschaubarer Größe. Aber trotzdem stört mich meine Lust auf neue Kleidung aus mehreren Gründen.

1. Geldverschwendung

Seien wir mal ehrlich: soviel Kleidung braucht man eigentlich gar nicht. Selbst wenn ich jeden Tag etwas anderes anziehe, bleibt genug im Schrank so lange unangetastet, bis es mir nicht mehr gefällt. Kleidung zu kaufen, die man nicht anzieht, ist natürlich schlichtweg Geldverschwendung.

2. Überstrapazierte Ressourcen

In der Küche versuche ich bereits seit Jahren so wenig wie möglich wegzuwerfen und alles aufzubrauchen. Also ist mein Kaufverhalten in diesem Bereich meines Lebens bereits gut darauf eingestellt, nicht zuviel oder unnötig einzukaufen. Das möchte ich nun überfälliger Weise auf den Kleiderschrank übertragen. Sehr aufschlussreich und motivierend ist eine Umfrage von Greenpeace mit dem eindringlichen Titel: Wegwerfware Kleidung. Aus dieser geht beispielsweise hervor, dass jedes fünfte Kleidungsstück in Deutschland so gut wie nicht getragen wird. Oder Textilien vor allem aussortiert (weggeworfen) werden, weil sie nicht mehr gefallen. Es gibt natürlich sogar ein Wort hierfür: Fast Fashion. Wenn ich mir das auf der Zunge zergehen lasse, wird mir schlecht. Wie entfremdet sind wir bitte? Wenn man sich kurz mal vorstellt, wieviel Schritte es von der Baumwolle zum fertigen Shirt braucht, wieviel Menschen daran beteiligt sind, wieviel Energie für Herstellung und Transport verwendet wurde… Und bei uns wird es zur Wegwerfware?!

3. Nicht vertretbare Herstellungsbedingungen

Wir alle kennen die Bilder der Näherinnen und Näher und vor allem der arbeitenden Kinder in den großen Textilfabriken Asiens. Es ist so ähnlich wie mit den Bildern aus Schlachthäusern: Daran will man keinen Anteil haben! Unser Konsumhunger (am liebsten billig) fordert anderswo einen hohen Preis. Ob Ausbeutung oder Umweltverschmutzung, das passiert, weil wir es so wollen. Hier ist ein kleiner Beitrag zu Kinderarbeit in Bangladesh. Spiegel.de zeigt: Kinderarbeit hat Methode und fast keines der großen Modehäuser ist eine Ausnahme.

4. Unzufriedenheit

Ich stelle in letzter Zeit immer deutlicher fest, dass keine Zufriedenheit mehr einsetzt, wenn ich die neuen Teile in den Schrank sortiere. Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit. Da hatte man ein paar Lieblingsteile und konnte es nicht erwarten, wenn die endlich aus der Wäsche kamen. Neue oder besondere Klamotten wurden regelrecht gefeiert. Dieses Gefühl habe ich heute zwar immer noch ganz ganz leise für das ein oder andere Stück. Aber dann verstehe ich nicht, warum ich ständig vor einem Kleiderschrank stehe, der voll ist mit “ich hab nichts zum Anziehen”. Daher würde ich gerne meinen Bezug zu meiner Kleidung verändern. Ich bin mir sicher, dass ich das nicht schaffe, in dem ich fröhlich weitershoppe. Minimalismus für mehr Zufriedenheit…

Minimalismus im Kleiderschrank - Kleidungsstapel auf Stuhl

Photo by Sarah Dorweiler on unsplash

Minimalismus, ich mach ‘ne Challenge draus: Hashtag needed

Nachdem ich also ein paar inspirierende Blog- und Magazin-Beiträge gelesen habe, ist hier mein Entschluss: Keine neuen Klamotten in 2018.

Das ist kein Neujahrsvorsatz, sondern eigentlich erst Ende Januar konkret geworden. Auf den Januar zurückblickend kann ich sagen: soooo viel hab ich nicht gekauft! Einen dringend gebrauchten Badeanzug, neue Laufschuhe nachdem die alten gerissen sind, ein neuer Rucksack für den Urlaub und zwei Shirts als Mitbringsel aus dem Urlaub. Aber jetzt ist Schluss. Kein Nebenbei-Online-Shoppen auf dem Telefon, kein Kataloge-Gucken, kein Schaufensterbummel. Ich habe genug. Nee, ich hab weitaus mehr als genug.

Diese Challenge ist natürlich nicht neu: einen Erfahrungsbericht gibt es beispielsweise auf huffingtonpost.com oder auf stern.de (hier wird auch auf Fast Fashion eingegangen).

Bewusster Konsumverzicht bei Kleidung – die Vorteile

Bewusster Kleidung zu kaufen oder eben nicht zu kaufen, hat ein paar Vorteile.

Allen voran: man spart Geld. Yay. Ein Jahr keine Kleidung. Wie Konsumverzicht Leben und Finanzen pusht

Beschäftigt man sich nicht mehr soviel mit seinem Aussehen und wie man dieses durch Kleidung aufwertet, bleibt mehr Gehirn für die wichtigen Dinge im Leben. Steve Jobs beispielsweise hatte jahrelang das gleiche Outfit an und das hatte einen interessanten Grund: Er wollte seine Entscheidungskapazität groß halten. Diese sollte nicht für verhältnismäßig unwichtige Entscheidungen wie Kleidung verwendet werden.

Natürlich lebt man auch bewusster. Ein Zustand, der sich hoffentlich auf andere Lebensbereiche überträgt. Was, wenn man generell weniger will und weniger braucht?

Ich wünsche mir mehr Respekt vor der Arbeit und dem Aufwand, der dahinter steckt. Arbeit sollte keine Wegwerfware sein! Und ich wünsche mir, dass ich zufriedener bin mit dem, was ich habe und nicht gierig die Online-Shops nach vermeintlichen Must-Haves durchwühle.

Minimalismus im Kleiderschrank - leere Kleiderbügel

Photo by Andrej Lisakov on unsplash

Aumisten: Wannabe-Klamotten loswerden/eigenen Stil fokussieren

Wenn ich in meinen Kleiderschrank schaue, sehe ich viel mehr Farbe als ich gerne anziehe. Meine Lieblingsfarbe ist Schwarz, dicht gefolgt von grau. Ganz selten darf es mal ein Muster sein. Das spiegelt mein Schrank so nicht wider.

Jup, das bin ich. Total unbunt.

Außerdem ziehe ich viele Klamotten einfach nicht mehr an. Also möchte ich zu Beginn der Challenge ausmisten.

Vor dem Aussortieren ist es wichtig, mal in sich zu gehen und zu überlegen, welche Kleidung man ständig trägt und welche nie oder so gut wie nie. Warum man bestimmte Sachen nicht anzieht, kann viele Gründe haben: sie passen nicht, sie gefallen nicht (mehr) oder man fühlt sich in ihnen einfach unwohl.

Vor allem sollte man das Wunschdenken mit aussortieren: Ich denke, jeder kennt sie. Die Wannabes in der Garderobe. Damit meine ich die Sachen, in denen man sich gerne sehen möchte. Die man gekauft hat, weil sie extravagant oder super schick sind und mit denen man eine gewisse Ausstrahlung verbindet, die man gerne für sich beanspruchen möchte. Und da man sich selbst so gut in diesen Sachen vorstellen kann, sortiert man sie nicht aus. Hier sollte man ehrlich zu sich sein und sie wirklich rauswerfen.

Hilfreiche Tipps zum Ausmisten hat Marlene bereits auf dem Blog gezeigt und bei stern.de findest du Inspiration zum sogenannten Kleiderfasten.

Mini-Challenge: Meine komplette Garderobe einmal tragen

Hier kommt die Mini-Challenge für mich. Ich habe mir vorgenommen, alles einmal anzuziehen und den Tag über zu schauen, wie wohl ich mich tatsächlich in den Sachen fühle. Was Unbehagen verursacht, fliegt sofort raus. Im Idealfall entdecke ich so alte Lieblingsstücke neu und das ein oder andere Teil erlebt ein Comeback.

don’t buy challenge: Inspirationen

Ein ähnliches Vorhaben hat auch Lisa von meinfeenstaub, allerdings legt sie noch eine Schippe rauf und näht einfach selbst, was sie gern hätte. Da ich an der Nähmaschine eher unbegabt bin, ist das für mich keine Option :D. Ihre Challenge ist aus meiner Sicht vor allem super, weil sie den oben beschriebenen bewussten Umgang mit der Kleidung anders erlebt, wenn sie diese selbst näht. Die Wertschätzung der neuen Stücke ist dann eine ganz andere. Ich werde auf jeden Fall verfolgen, wie es bei ihr weitergeht.

Meine große Challenge 2018 – DIY don’t buy

Wer noch mehr Inspiration/Motivation benötigt, liest einfach mal die Sunday Review: My Year Of No Shopping in der New York Times nach!

Auf unserer Pinnwand: Lifestyle – Ausmisten & Kleiderfasten haben wir weitere Ratgeber und Lektüre-Hinweise gesammelt.

Ich werde dich auf dem Laufenden halten! Hast du bereits etwas Ähnliches versucht? Oder Tipps und spannende Lektüre für mich? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

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