Was ist eigentlich: Makramee?

Peace, Love and … Macramé! Ob Wandbehänge, Blumenampeln oder Schmuck – das Comeback der uralten Knüpftechnik ist kaum zu übersehen. Längst kann Makramee mehr als merkwürdige Eulen aus kratzigem Jute-Garn. Mit modernen Formen und Materialien sorgt es für einen Hauch von zeitgemäßem Boho-Chic.

Der ultimative gordische Knoten. So kam mir das Knäuel vor, das sich zunehmend aus den 16 Schnüren formte, als ich mich zum ersten Mal an Makramee versucht habe. Unauflösbar. Hoffnungslos. Auf keinen Fall würde das noch irgendein brauchbares Deko-Objekt hergeben. Mein Vorhaben: eine schöne Blumenampel.

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Die nächsten Stunden war ich aber erstmal damit beschäftigt, unzählige Knoten aufzudröseln – um dann noch mal von vorne zu beginnen.

Makramee oder Macramé ist eine aus dem arabischen Sprachraum des 13. Jahrhunderts stammende Knüpftechnik, bei der Fäden zu Ornamenten oder Textilien geknotet werden. Ob die Technik nun aus dem Orient stammend über Griechenland nach Mitteleuropa gefunden hat, oder ob die Mauren mit Makramee hergestellten Schmuck nach Spanien brachten, ist nicht eindeutig zu beantworten, es finden sich Quellen für beides.

Der Dauerbrenner: Freundschaftsbänder

Hergestellt wurde quasi alles, was sich mit geknüpften Ornamenten dekorieren ließ: Gürtel, Messergriffe, Flaschen, Schiffsteile, Tischdecken, Wandbehänge usw. In Deutschland war die Handarbeitstechnik zuletzt in den 1970er Jahren ein Trend, da allerdings eher in Form von rustikalen Blumenampeln aus Juteschnur. Als Wandhänger gelangte vor allem die Makramee-Eule zu relativer (und aus heutiger Sicht vielleicht auch zweifelhafter) Berühmtheit. Ein populärer Dauerbrenner waren seitdem höchstens die typischen Freundschaftsbänder, die wir uns aus buntem Stickgarn als Jugendliche wie die Bekloppten geknüpft haben.

Hippies und Bohème

Mitte der Nullerjahre kam der Boho-Chic auf. Zuerst ließ sich die Modewelt von Hippietum und alter Bohème vergangener Jahrzehnte beeinflussen, später weitete sich der Trend auch auf Interiordesign und Wohnaccessoires aus. Heute findet man deswegen alle möglichen hippiesken Teile auf dem Markt, die sanft modernisiert zu fast jedem Einrichtungsstil passen.

92761131_24850a6f00_b (Photo credit: HamburgerJung via Visual hunt / CC BY-SA)

Die Grobheit einer Jute-Makramee-Eule ist so zum Beispiel (und zum Glück) einer Eleganz aus feingliedrigen Schnüren in verschiedenen Farben gewichen. Eine Blumenampel aus dünnen lederartigen Schnüren wirkt gleich ganz anders und verliert aber trotzdem nichts des verschnörkelten Dekors, das die ornamentale Knüpftechnik ausmacht.

Aber auch dezente Farben und unbehandelte Oberflächen wie z.B. eingearbeitete Holzkugeln unterstützen den Trend, natürliche Materialien wieder verstärkt in der Wohnung einzusetzen. Der Blick auf einen durch Makramee hergestellten Wandbehang hat fast etwas Meditatives, wenn man die gleichmäßigen Muster betrachtet, die sich aus dem Verknoten von Arbeits- und Trägerfäden ergeben.

Knotenknäuel und Nackenschmerzen

Dabei ist die Technik verblüffend einfach. Auch wenn es unzählige Variationen und Knüpfmuster gibt, besteht Makramee im Wesentlichen nur aus zwei Grundknoten (dem Überhandknoten und dem Halben Schlag), die in verschiedenen Richtungen und Reihenfolgen angewendet und kombiniert werden. Nach ein paar Übungsreihen (geknotet wird von oben nach unten) hat man das Prinzip aber schnell erfasst.

Das Knüpfen einer Blumenampel als Kombination aus Kreuzknoten, Altweiberknoten und Rippenknoten:

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Am Anfang eignet sich ein kleineres Projekt zum Ausprobieren. Warum nicht mal wieder ein Freundschaftsarmband knüpfen, zum Beispiel unifarben in einem schönen Pastellton? Je größer das Projekt werden soll, desto länger sind die Arbeitsfäden, mit denen man im wahrsten Sinne des Wortes hantieren muss. Als ungeübter Neuling erhöht das nicht nur die Gefahr des frustrierenden Knotenknäuels, sondern macht auch ganz schön heftige Nackenschmerzen. Um sich davon zu erholen, muss man wahrscheinlich ganz schön lange vor einem Wandbehang meditieren…

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