Tipps für einen erfolgreichen Flohmarkt

Ein Flohmarkt ist wohl die beste Möglichkeit aussortierte Dinge loszuwerden. Besonders wenn man Gegenstände, Bücher und Kleidung selbst nicht mehr gebrauchen kann und sie noch viel zu schade zum Wegwerfen sind. Als sich bei mir im Kiez ein Nachbarschafts-Flohmarkt ankündigte, überlegte ich nicht lange und meldete mich an. Wie du deinen Flohmarkt am besten vorbereitest und was ich in meinem Selbstversuch noch so gelernt habe, erfährst du hier.

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Das Ausmisten

Seit Anfang des Jahres bin ich voll auf dem Ausmist-Trip. Was damals noch langsam anfing, hat sich mittlerweile zu einer Lawine entwickelt, die durch meine Wohnung fegt und rigoros alles mitnimmt, was ich nicht mehr brauche. Tatsächlich ist das viel viel mehr, als ich gedacht hätte. Und es tut so gut, sich von unnützen Dingen zu trennen. Nicht nur aus den offensichtlichen praktischen Gründen, weil sie Platz einnehmen und die Wohnung vollpfropfen. Nein, auch das Ausmisten von Souvenirs jeglicher Art ist wirklich therapeutisch. Mehrfach stand ich kopfschüttelnd da und hielt Gegenstände in der Hand, die mich an Zeiten erinnerten, an die ich gar nicht so gerne zurück denke. Warum habe ich das Teil dann bereits bei drei Umzügen immer wieder mitgeschleppt? Weg damit!

Zweite schwierige Baustelle: Geschenke. Wie oft hat man selbst schon “irgendwas” verschenkt, weil man dachte, man könne ja nicht mit leeren Händen auf der Party aufschlagen. Aus diesem Grund bekommt man selbst auch oft Dinge geschenkt, mit denen man nicht wirklich viel anfangen kann. Bisher habe ich diese Dinge aufbewahrt, wahrscheinlich nur, um dem Schenker kein schlechtes Gefühl zu geben. Doch während der wahrscheinlich schon längst vergessen hat, was er mir vor vier Jahren vor lauter Schreck geschenkt hat, gibt das Teil nur mir ein schlechtes Gefühl, besser gesagt ein schlechtes Gewissen, weil ich es nicht nutze oder mag. Genauso verhält es sich übrigens mit ungelesenen Büchern.

Nachdem ich mich endgültig beim Flohmarkt angemeldet hatte, brach das Chaos in meiner Wohnung aus. Der Wohnzimmertisch und einige Kisten drumherum wurden zur Sammelstelle erklärt. Zwei Wochen lang konnte ich abwägen und Entscheidungen treffen. Am Tag vor dem Flohmarkt sah es fast so aus, als würde ich ausziehen wollen.

Der Transport

Ein eigenes Auto ist wohl die beste Möglichkeit, um die Waren zum Flohmarkt zu bringen. Das leuchtet ein. Leider hatte ich kein eigenes Auto parat, aber hätte ich eines gehabt, hätte ich bereits am Vorabend alles darin verstaut, um die Stunde Schleppen am Morgen einzusparen. Aber auch ohne eigenes Auto muss der Flohmarkt nicht ins Wasser fallen. Ich habe meine sechs Kisten, eine Kleiderstange und mehrere große Beutel in einem DriveNow zu meinem Stand transportiert. Für die Rückfahrt mit weniger, aber dennoch immer noch reichlich Gepäck, habe ich mir ein Taxi organisiert. Dafür geht natürlich ein Teil des Gewinns drauf, aber besser so als gar nicht oder?

 

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Der Stand

Mein Verkaufsstand wurde glücklicherweise von den Veranstaltern gestellt.  Gegen eine Gebühr, die sich übrigens um die Hälfte verringerte – wenn man einen Kuchen mitbrachte – habe ich einen 3 m langen, überdachten Stand bekommen. Wenn man seinen Verkaufstisch selbst mitbringen muss, eignet sich wohl am besten der gute, alte Tapeziertisch. Campingtische gehen natürlich auch. Ich habe ein paar Decken mitgenommen, um die Optik meines Standes ein wenig aufzuwerten. Wenn die Decke vorne bis zum Boden geht, kannst du deine leeren Kisten auch sehr gut unter dem Tisch verstecken.

Nimm dir auch eine Sitzgelegenheit mit. Bestenfalls natürlich einen schön leichten Klapp- oder Campingstuhl. Ich hatte leider keinen dabei, hatte aber auch schon genug mit meinen Waren zu schleppen. So nach der fünften Stunde Stehen hätte ich aber dann doch schon gut einen Stuhl gebrauchen können. Aber dennoch würde ich dazu raten, hauptsächlich zu stehen und präsent am Stand zu sein. Wer scheinbar unbeteiligt rumsitzt und in sein Smartphone tippt, den spricht der Kunde ungern an.

Denkt auch an Regenschutz, vor allem für die Waren- und genauso an einen Sonnenschutz , vor allem für euch. Als Regenschutz eignet sich am besten eine Malerfolie aus dem Baumarkt, mit der ihr euren Tisch bei einem Regenschauer schnell abdecken könnt. Im Herbst oder Winter solltet ihr euch natürlich warm genug anziehen, besonders im Winter unterschätzt man oft die Kälte. Beim morgendlichen Armraushalten fühlt sich das vielleicht noch ganz angenehm an, aber nach 6 Stunden auf den Beinen sieht das schon ganz anders aus. Da ihr viel mit Geld hantiert, machen sich die Handschuhe mit den abgeschnittenen Fingern besonders gut.

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Wechselgeld

Es ist sinnvoll Kleingeld im Wert von circa 50 EUR dabei zu haben. Sicherheitshalber habe ich noch ein paar Scheine mitgenommen. Wer keine Lust hat über Wochen hinweg Kleingeld zu sammeln oder keine Zeit hat, extra zur Bank zu laufen, der begebe sich an den nächsten Fahrkarten-Automaten. Ich habe mir vier Einzelfahrten mit einem jeweils großen Schein gekauft. Und Jackpot: Hier ist das Wechselgeld. Da ich die meisten Dinge zu einem Preis von circa 1-2 EUR angeboten habe und die Leute passend zahlen konnten, kam recht schnell noch mehr Kleingeld zusammen. Aber es war trotzdem sehr gut, dass ich in der Lage war, auch einen 50 Euroschein zu wechseln.

Präsentation der Waren

Kleidung ist am besten auf einer Kleiderstange aufgehoben. Hier lassen sich die Teile ordentlich drapieren und sehen auch immer noch ordentlich aus, nachdem der zwanzigste Interessent die Teile durchgeguckt hat. Ich habe ein paar Wochen in den Kleinanzeigen gewühlt und nach einer gebrauchten Kleiderstange und einfachen Kleiderbügeln gesucht. Nachdem ich nicht fündig geworden bin, habe ich mir letztendlich die günstigste Kleiderstange von IKEA gekauft. Die circa 60 Kleiderbügel, die ich benötigte, hätte ich mir fast bei verschiedenen Anbietern zusammengekauft, aber irgendwie war es mir zu blöd, eine Stunde durch Berlin zu fahren, um für 1 EUR Bügel zu erstehen. Glücklicherweise hatte ich die rettende Idee mal nett bei der Änderungsschneiderei und Reinigung meines Vertrauens nachzufragen. Ohne Zögern lieh mir der nette Herr einen großen Batzen Kleiderbügel. Wirklich toll.

Außerdem hatte ich einen Spiegel dabei, damit die Leute sich mit dem schnell übergeworfenen Pulli einmal betrachten konnten, bevor sie ihn kauften. Der Spiegel stand jedoch auch zum Verkauf, aber kein Problem: Als der weg war, habe ich eine Kundin einfach schnell in ihrem neuen Outfit fotografiert.

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Die vielen Bücher habe ich übersichtlich in Kisten eingeordnet. Für Bücher, für die ich nur noch 1 EUR oder weniger haben wollte, habe ich eine Wühlkiste eröffnet. Ja, Menschen wühlen wirklich gerne und freuen sich umso mehr, wenn sie in dem Wust noch einen Schatz finden.

Alle weiteren Gegenstände habe ich teilweise nach Themen geordnet, teilweise einfach da hingestellt, wo noch ein bisschen Platz war. Vor allem Kuscheltiere oder kleine Deko-Elemente haben so immer wieder die Aufmerksamkeit eines potentiellen Käufers geweckt, während er seinen Blick über den Verkaufstisch schweifen ließ. Ich habe darauf geachtet, den wirklichen “Ramsch” nicht direkt neben die hochwertigen Waren zu stellen, da diese durch den billigen Nachbarn auch gleich im Wert sinken.

Drapiert besonders die Gegenstände, für die ihr noch ein bisschen mehr haben wollt als nur 1 EUR, am besten auf einer Art Podest. Eine umgedrehte Schachtel tut es hier auch, und hebt sie somit aus der Masse hervor.

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Preise

Wenn ich auf einen Flohmarkt gehe frage ich ungern nach dem Preis. Ich mag es lieber wenn die Preise an den Waren stehen. Aus diesem Grund habe ich es auch so gehandhabt. Jedes der Kleidungsstücke habe ich mit einem kleinen Aufkleber mit meiner Preisvorstellung versehen. ABER das würde ich nicht noch einmal so machen. Denn je mehr Zeit voranschritt, desto weniger wollte ich für die Teile haben. Klar, ich wollte ja so viel wie möglich loswerden. Ich rate also, die Preise je nach Nachfrage und Uhrzeit anzupassen.

Das gilt eigentlich für alle Teile. Natürlich hatte ich meine 1-Euro-Wühlkiste, aber nach ein paar Stunden auf dem Flohmarkt und ein paar ausgesprochenen Preisvorstellungen, merkt man schnell, was die Klientel bereit ist zu zahlen und man kann spontan die Preise anpassen. Oftmals passierte es mir, dass die Leute nur das Gesicht verzogen und weiter gingen, anstatt von sich aus einen anderen Preis aufzurufen und zu handeln. Nur einige wenige Teile wollte ich für einen bestimmten Preis verkaufen und habe sie letztendlich wieder mitgenommen und nun bei ebay reingestellt. Bei vielen anderen Sachen, war mir einfach nur wichtig, dass sie nicht auf dem Müll landen und habe deshalb preislich sehr niedrig angesetzt.

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Checkliste

  • Proviant: Nimm dir ein bisschen was zu essen und zu trinken mit. Jedoch auch nicht zu viel. Ich habe mich mit Schnittchen, Snacks und 1 l Wasser eingedeckt und hab letztendlich nur ‘ne Bifi runterbekommen. Vielleicht geht’s auch mir nur so, aber irgendwie war ich viel zu aufgeregt um zu essen.
  • Feuchte Tücher: Wenn man so viel schleppt, aufbaut und so viel Kleingeld seinen Besitzer wechselt, macht man sich die Hände schnell schmutzig. Und das Schnittchen will man mit den dreckigen Händen lieber nicht anfassen.
  • Müllbeutel: Zum einen bleibt so der Stand sauber UND die Müllbeutel lassen sich sehr gut als Tragetasche für die verkaufte Ware benutzen. Daran soll der Kauf schließlich nicht scheitern
  • Küchenrolle oder Zeitungspapier: Zerbrechliche Waren, wie Tassen oder Porzellan-Deko habe ich für die Kunden in Zeitungspapier eingewickelt
  • Kopfschmerztabletten und Pflaster: Mit ‘nem Aua steht es sich nicht so gut stundenlang auf dem Flohmarkt. Am Ende hatte ich drei blutige Stellen irgendwo an den Fingern und einige Fingernägel haben den Tag ebenfalls nicht überlebt.

Ich habe insgesamt 240 EUR eingenommen. Ich musste zweimal zählen, weil ich es gar nicht glauben konnte. Neben einigen wenigen Teilen, die ich für 5-10 EUR verkauft habe, waren es wohl aber vor allem die 1-2 EUR-Teile, die sich da angesammelt haben. Das freute mich sehr, aber viel mehr hat mich gefreut zu sehen, wie sich die neuen Besitzer über die Dinge gefreut haben, mit denen ich nicht mehr viel anfangen kann.

Wieder zu Hause angekommen, habe ich einige Teile zum Verschenken vor die Tür gestellt, den Großteil der Kleidung habe ich gespendet und der wirkliche “Ramsch” musste nun wirklich daran glauben und kam in die Tonne. Mit diesen Tipps sollte auch dein Flohmarkt ein Erfolg werden. Ganz wichtig ist aber eines: Hab keine zu großen Erwartungen, sondern einfach nur Spaß. Wenn du noch mehr Tipps hast, dann lass es uns gern in den Kommentaren wissen. Der nächste Flohmarkt kommt bestimmt.

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