The Ultimate-Upcycling: Wie aus einer alten Couch ein Portemonnaie wurde

Was schenkt man als Braut dem Mann zur Hochzeit? Eine gute Frage. Beschenkt man sich überhaupt? Ein Präsent für die gegenseitige Wertschätzung? Etwas ganz Besonderes, was die gemeinsame Geschichte widerspiegelt, trotzdem nicht zu kitschig ist und vor allen Dingen einen hohen ideellen Wert hat. Oder überlässt man das mit dem Schenken doch lieber nur den Gästen? Ich hasse nichts mehr, als zwanghaft nach Geschenken zu suchen. Umso mehr liebe ich es, wenn einem die richtige Idee zur richtigen Zeit überkommt.

Vor ungefähr drei Jahren sah ich dem Mann, der damals noch mein Freund war (an Hochzeit war noch gar nicht zu denken), dabei zu, wie er aus einer alten Couch aus dem Keller seines Elternhauses buchstäblich Kleinholz machte. Als kleines Andenken riss er einen Fetzen des braunen, abgewetzten Leders heraus und murmelte, dass man daraus ja irgendwann mal was machen könnte.

Zu Hause landete der Fetzen im Schrank und geriet schnell in Vergessenheit. Ich jedoch hatte ihn immer im Hinterkopf. Als sich einige Monate später mein mittlerweile Verlobter wiederholt über sein dickes, klobiges Portemonnaie ärgerte, zählte ich Eins und Eins zusammen.

Das war sie: eine Idee für sein Hochzeitsgeschenk

Ich begann nach Schnittmustern für dünne, platzsparende Portemonnaies zu googlen. Ich fand auch einige Tutorials bei YouTube, in denen begabte Bastler aus hochwertigem Leder und allerhand Werkzeugen, deren Namen ich nicht mal kenne, wunderschöne Geldbörsen zusammen schusterten. Ich nahm Falttechniken, Schnittmuster und Designs in meine Ideensammlung auf und tackerte mir zunächst einen Prototypen aus Papier zusammen. Das sah schon ganz gut aus, aber wie wird nun aus meinem Stück Leder dieses gut durchdachte Portemonnaie?

Mit 16 nahm ich an einem Nähkurs in der Volkshochschule teil und schaffte es in den ersten 30 Minuten zwei Nadeln zu zerbrechen. Seitdem habe ich mich nicht mehr ans Nähen gewagt, höchstens mal Löcher gestopft. Und das nicht mal gut. Ich riskierte es trotzdem und mietete in einem Nähcafé für ein paar Stunden einen vollausgestatteten Nähplatz an, für einen kleinen Aufpreis gabs die Beratung gleich mit dazu. Und die war unbedingt notwendig. Ich erzählte von meiner Idee und wurde glücklicherweise nicht wieder weggeschickt. Mein Vorhaben war also machbar.

Lass die Fetzen fliegen

Zunächst schnitt ich mein unförmiges Stück Leder in ein 36 cm langes und 11,5 cm hohes Rechteck. Für die Karteneinschübe benutzte ich schwarze Stoffreste. Um sie etwas stabiler zu machen, bügelte ich einen Vliessstoff darauf und schnitt die Stücke anschließend in die richtige Größe.

Nachdem ich die Einzelteile zusammengefügt und mit Klammern fixiert hatte, ging es ans Eingemachte. Als absolute Nähgasthenikerin testete ich mein nicht vorhandenes Können zunächst an einem Stoffrest aus. Wuuuuschhh! Schneller als ich gucken konnte, raste ich einmal quer über den Stoff. Das ging mächtig schief, im wahrsten Sinne des Wortes. Als ich die Kursleiterin bat, mir den Faden neu einzufädeln, war ich kurz davor sie zu fragen, ob sie mir nicht für ein bisschen extra Cash das ganze Portemonnaie fertig macht. Ich riss mich aber zusammen und versuchte es doch selbst. Schließlich sollte es ja MEIN Geschenk werden. Während die Frauen neben mir beim Nähen ihrer Kleider scheinbar einen Schnelligkeitsrekord aufstellen wollten, stach mein Zickzackstich im Schneckentempo ins Leder hinein und wieder hinaus. Hinein und wieder hinaus. Das war zwar irgendwie bizarr, aber die einzige Methode für mich, die Naht einigermaßen gerade hinzubekommen. Nachdem die erste Seite ziemlich gut geworden war, wagte ich mich an die andere, die aufgrund doppelter Anzahl an Karteneinschüben nun auch etwas dicker war. Doch die Nadel ging auch hier problemlos durch und nach konzentrierter Zeitlupen-Arbeit war ich fertig – und ziemlich zufrieden.

Jetzt fehlt nur noch das Tüpfelchen auf dem i

Ich wollte gern noch etwas Persönliches hinzufügen. Einen Spruch oder eine Art Widmung. Als die Kursleiterin mir zeigte, dass die Nähmaschine in der Lage ist zu schreiben, überlegte ich nicht lange und gab die Worte unserer Ringgravur in die Maschine ein. Um zu sehen, welche Schrift die Nähmaschine hat und wie lang das Ganze wird, machte ich einen Testlauf auf einem Lederrest. Anschließend nahm ich die Maße vom Schriftzug und spannte das Leder, aus dem mittlerweile schon ein erkennbares Portemonnaie geworden war, in die Nähmaschine ein. Wieder mit äußerster Vorsicht schrieb die Nähmaschine ganz dezent unser kleines Sprüchlein auf die Vorderseite.

Fertig! In circa drei Stunden war aus meiner Vision Wirklichkeit geworden und sogar die Kursleiterin zeigte sich begeistert von meiner Idee.

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Einen Monat später überreichte ich meinem frisch Angetrauten sein Geschenk. Er war und ist immer noch hellauf begeistert, zum Einen von meiner Idee, zum Anderen von seinem schlanken Portemonnaie, welches nun ohne Probleme in alle Hosen- und Jackentaschen passt, ohne hässliche Abdrücke zu hinterlassen.

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2 Kommentare zu “The Ultimate-Upcycling: Wie aus einer alten Couch ein Portemonnaie wurde

  1. Großartige Idee!!! Geniale Umsetzung und ich finds gerade zum Schreien komisch 😀

    Ein sehr guter Freund vertraute mir vor ein paar Tagen seine mehr als zerfledderte Geldbörse an, welche er liebt und sehr an ihr hängt. Aus dem “Rest” so versprach ich ihm, würde ich eine neue zaubern…
    Doch nun sitze ich davor und bin ratlos.

    Danke für diese Inspiration! Vielleicht hilft mir das quer denken, deine/seine Geldbörse ist ja auch quer angelegt, weiter beim zusammenschustern!

    Liebste Grüße
    Julia

    • Liebe Julia,

      vielen Dank! Wir sind total gespannt, was du anstellen möchtest und welche Möbelstücke du dir vornimmst, um ein Portemonnaie draus zu machen :D.

      Wir freuen uns sehr, wenn du uns das Ergebnis auf Facebook oder Instagram zeigen möchtest!

      Viele Grüße!

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