Mit Kleidungs-Upcycling nachhaltiger leben



Wer immer noch nicht über eines unserer Lieblingsthemen gestolpert sein sollte, kann sich vorsichtshalber einmal die Definition laut Duden durchlesen: Upcycling: “Die Weiternutzung von Abfallstoffen oder gebrauchten Gegenständen durch Umwandlung in höherwertige Materialien bzw. Waren.”

#wirliebenupcyling. Gerade mit Kindern behandeln wir dieses Thema gern, da wir für die Thematik sensibilisieren wollen. Durch sinnvolles Upcycling sparen wir Ressourcen, vermeiden Müll und lassen schöne Dinge entstehen. Sozusagen eine Win-Win-Win-Situation. Wir werfen nämlich viel zu viel weg ohne darüber nachzudenken, wie wir Dinge neu erfinden und umgestalten könnten, damit sie wieder einen Nutzen finden und nicht im Müll landen.

Fast Fashion – das Super-Müll-Problem

In anderen Beiträgen zum Thema habe ich bereits darüber informiert, wie sehr Kleidung den Planeten belastet, weswegen ich mich zum Kleiderfasten (persönliche Challenge für 2018) und nur noch Second Hand (persönliche Challenge 2019) entschieden habe. Die Beiträge kannst du gerne einmal nachlesen, ich hoffe, sie inspirieren dich!

Upcycling und Nachhaltigkeit

Auch in der Modewelt macht man sich mittlerweile mehr Gedanken um Nachhaltigkeit. Mode, die am Ende sogar Müll vermeiden und reduzieren kann, wäre ein Traum für unseren Planeten. Das Unternehmen
Orange Fiber zum Beispiel, stellt Garn aus Orangenabfällen her. Oder
Piñatex , die rein pflanzliche Alternative zu Leder, aus der unter anderem schon Sneaker für Hugo Boss desgined wurden. Du findest in der ZEIT einen spannenden Artikel dazu!

Andere Designer wiederum, stellen Kleidungsstücke aus sogenannten Reststoffen und Verschnitten her und führende Modeschulen, wie die NYC Parsons, Fashion Institute of Technology und Pratt, haben Upcycling in ihren Lehrplan integriert. Mehr dazu findest du bei Fashion United.

Kleidungs-Upcycling – was können wir selber tun?

Jeder Einzelne kann bedachter mit Ressourcen umgehen und sich zwei mal fragen, ob Kleidung entsorgt oder aufgewertet wird. Wir haben eine kleine Pinnwand mit Ideen erstellt, die dir hoffentlich Inspiration liefert. Außerdem gibt es Tipps für das kreative Reparieren von Löchern und Ähnlichem.

Wir sind in erster Linie dafür, Kleidung zu erhalten und zu reparieren. Aber wenn das nicht mehr geht, ist es toll, wenn sie dennoch als Material (oder auch Reparatur-Material) dienen kann. Besonders schön finden wir die Idee, Bäckergarn aus T-Shirts zu machen, schau mal bei Ronja Lotte von “nur noch” vorbei!

Die Bloggerin Eliza Schwartz hat ein Gratis-E-Book erstellt, das du herunterladen kannst: “Fashion – DIY Upcycling”
Hier findest du tolle Ansätze, wie du aus alten oder unbenutzten Kleidungsstücken neue modische Hingucker kreieren kannst.

Hast du dich mit dem Thema schon einmal auseinandergesetzt und tolle Lektüre-Empfehlungen? Dann hinterlass uns gerne einen Kommentar!

Ein Jahr Shopping-Verzicht – was habe ich gelernt?

Na? Bist du noch auf der Suche nach einem guten Vorsatz fürs neue Jahr? Sag doch einfach “Nein” zu neuer Kleidung und lerne Zufriedenheit mit dem, was du hast…

Von wegen Shopping-Verzicht

Ehrlich gesagt: Klamotten waren für mich immer wichtig. Viel zu wichtig. Ich habe mich darüber definiert und auch, wenn ich keine Designer- ja nicht mal wirklich Markenkleidung hatte, waren sie irgendwie ein Status-Symbol. Ich habe viel zu viel Geld dafür ausgegeben und zuviel Zeit verschwendet, Zeug online zu shoppen.

Da hatte ich dann irgendwie keine Lust mehr drauf. Also hab ich mir vorgenommen, ein Jahr aufs Shopping zu verzichten. Ich habe schnell gemerkt, dass das Wort Verzicht gar nicht wirklich passend ist. Es ist eher eine Befreiung, etwas, das man freiwillig tut bzw. lässt. Ich hätte es schon viel früher tun sollen. Rückblickend hab ich in der Zeit vor der Challenge eine Menge Geld und Zeit verschwendet.

Insgesamt war ich schon nach kurzer Zeit erleichtert, wieviel leichter mir das alles fällt (ja, ich hatte etwas Angst, mein Umfeld hat nicht gerade geholfen mit Aussagen wie: “Du und keine neuen Klamotten?!”). Aber es hat sich schnell herausgestellt, dass es viel einfacher ist als gedacht. The new normal. Mein Gehirn hat die Schaltplätze schnell anders verkabelt und ich habe mich schlichtweg nicht mehr mit meinen vorherigen Bedürfnissen nach neuer Kleidung beschäftigt. Kein Scrollen durch die Online-Shops und kein Blättern in Katalogen. Ja, nicht mal ein leises Neid-Gefühl wenn die Freunde neue Sachen hatten. Aber: auch wenn ich mir nichts gekauft hatte, kam ich trotzdem zu ein paar neuen Lieblingsstücken. Wie bereits erwähnt, hab ich ein bisschen getauscht und dann hab ich noch ein paar aussortierte Kleidung meiner besten Freundin bekommen. Dazu kann ich nur ermuntern, vernetzt euch und zeigt, was ihr nicht mehr mögt und tauscht, was das Zeug hält. Mit Blick auf den minimalistischen Kleiderschrank hab ich allerdings für jedes Teil, was neu rein ging, ein anderes aussortiert.

Im Folgenden findest du meinen ersten Text zu Beginn der Challenge, ich hoffe, er inspiriert dich!

Weniger ist mehr – Minimalismus im Kleiderschrank

Too many choices are a prison – Weniger ist wirklich mehr

Vor meinem kleinen Experiment stand ich häufig vor meinem viel zu vollen Kleiderschrank und hatte gar nichts anzuziehen. Ironischerweise hat sich das verkehrt, nachdem ich ausgemistet habe und nicht wirklich Neues dazu kam. Wer hätte gedacht, dass eine Begrenzung befreiend wirken kann!? Ich jedenfalls nicht. Diesen Mechanismus erst mal zu erkennen, hat allerdings noch mehr in mir verändert. Irgendwie habe ich das Gefühl von allem weniger zu wollen und zu brauchen. Direkt nach Start der Challenge habe ich mich im Bad umgesehen und auch dort angefangen rauszuschmeißen, zu reduzieren und zu überdenken. Zugegeben es ist ein Prozess und geht nicht von heut auf morgen, aber ich habe das Gefühl, dem Leben näher zu kommen, das ich führen will. Ein verantwortungsbewusstes.

Ich freue mich, dazu zu lernen und mit anderen über ihre Erfahrungen zu reden. Hinterlass mir also gerne einen Kommentar mit Lesetipps oder eigenen Erfahrungen!

Regelmäßig ausmisten: Der minimalistische Kleiderschrank

Außerdem wollte ich mich gerne wieder so richtig in meiner Kleidung wohlfühlen und nicht ständig unzufrieden sein, weil dies und das vermeintlich fehlt. Also hab ich versucht, meinen Stil zu fokussieren und alles rauszuschmeißen, was ich eh nicht anziehe oder worin ich mich nicht wohlfühle. Das hat unterschiedlich gut geklappt. Einerseits hatte ich eine Hamster-Mentalität von wegen: “wenn nichts dazu kommt, muss alles bleiben, nicht dass du nichts mehr anzuziehen hast…” Andererseits konnte ich mich dann doch von langjährigen Schrankhütern trennen. Ich hab mich bemüht, alles im Schrank wenigstens einmal anzuziehen und dann zu schauen, wie ich mich mit dem jeweiligen Teil wohlfühle. Wir haben bei muckout im Spätsommer/Herbst zwei Flohmärkte veranstaltet, auf denen auch getauscht wurde. So habe ich durch Tauschen zwei neue Teile erhalten. Der Rest ist in der Kleiderspende für eine Anlaufstelle für jugendliche Obdachlose gelandet. Tipps, was du mit aussortierter Kleidung tun kannst, findest du in meinem Artikel:

Kleiderschrank ausmisten – Tipps und Tricks für aussortierte Kleidung

Das Aussortieren ist nach wie vor ein stetiger Prozess. Mindestens einmal im Monat schau ich ganz genau in den Kleiderschrank (und mittlerweile auch die Wohnung) und sage mir eine Summe X, soviel Teile müssen dann gehen. Je mehr gegangen ist, umso mehr möchte ich noch loswerden. Ich stehe ständig in der Wohnung und denke: das ist alles viel zu viel. Das brauchen wir doch gar nicht.

Tipps und Gedanken zum Thema Ausmisten findest du außerdem bei Marlene:

Ausmisten für den Seelenfrieden

Nachhaltiger leben, Verantwortung zeigen

Den Film “The True Cost” kann ich jedem nur ans Herz legen. Er zeigt, welch großen Impact unser Lebensstil auf die ganze Welt hat. Manches davon weiß man, manches will man nicht wissen und vor allem wollen die meisten aus diesem Wissen keine Konsequenz ziehen. Mich hat der Film sehr bewegt und sehr nachdenklich gestimmt. Jetzt, wo ich vielleicht doch mal eine neue Winterjacke oder neue Socken brauche, werde ich definitiv nach fairen Labels Ausschau halten (auch hier freu ich mich sehr über Tipps von regionalen Anbietern…)

Lerne deine Kleidung mehr zu schätzen und verpass ihr ein Makeover!

Ich habe meine Sachen in der letzten Zeit viel mehr schätzen gelernt. Und die Zeit und Arbeit, die in ihrer Herstellung stecken: das ist nichts zum (k)ein mal anziehen und wegwerfen, wie soviele es mittlerweile praktizieren, weil Kleidung praktisch nichts mehr kosten muss. Da sich meine Wahrnehmung und Wertschätzung geändert hat, freu ich mich, wenn Sachen lange in meinem Besitz sind. Ja, ich hab tatsächlich noch Kleidungsstücke (wenn auch wenige), die ich vor 15 Jahren mit meinem ersten Ausbildungsgehalt gekauft habe….

Um noch mehr solcher Langzeit-Stars in meinem Kleiderschrank zu haben, muss ich in Zukunft alles besser pflegen und behandeln. Ich habe z. B. Lieblings-Teile, die ich nicht missen möchte, repariert bzw. geflickt (jap, mit richtigen Stoff-Stücken am Ellenbogen und so) und anderen Sachen einen neuen Look gegeben, um sie wieder mehr zu mögen. Gerade, was das Aufwerten von Kleidungsstücken angeht, möchte ich noch mehr versuchen und natürlich mit dir teilen!

Die Vögel auf dem Blusenkragen kannst du ganz einfach nachmachen, wenn du einen Plotter hast! Die Vorlage kannst du dir von uns herunterladen. Die Bluse stammt übrigens auch noch aus der Ausbildungszeit und ist so mindestens 10 Jahre alt.

DIY-Makeover: Blusen-Kragen mit goldenen Vögeln (inkl. Freebie-Plotterdatei)

Natürlich kam Milka zum Glamour-Photoshoot auf dem Schlafzimmerboden dazu… Ich freue mich, wenn der Text eine Inspiration für dich ist und noch mehr über Kommentare, deine Erfahrungen und Tipps!

Wir lieben Upcycling – Nachhaltigkeit als Trend

*Werbung wegen Verlinkung/unbezahlt*

Taschen aus alten Jeans, Schuhe aus Plastikflaschen und Gläser aus kaputten Smartphone-Displays – Müll wiederverwerten und aus ihm etwas Neues erschaffen, so lautet die Idee vom Upcycling. Doch wie gut lässt sich dieses Prinzip umsetzen und ist der Trend überhaupt nachhaltig?

Natürlich kann nicht jeder Schuhe aus alten Plastikflaschen herstellen, aber das ist auch nicht verlangt. Die Hauptsache ist das man etwas Neues aus Dingen herstellt, die man sonst eigentlich weggeworfen hätte und somit die Ressourcen schont. Weitere Informationen über Upcycling in der DIY-Szene hat Jenny bereits erklärt.

Upcycling als Trend?

Obwohl Upcycling immer mehr an Popularität gewinnt, scheint es so als bewegten wir uns immer weiter vom eigentlichem Prinzip weg. Wer Deko aus alten Flaschen oder Dosen machen will, kauft häufig vorerst noch mehr Materialien zum Verzieren und zum Basteln und nutzt davon vielleicht auch nur die Hälfte. Somit fällt für jeden wiederverwendeten Artikel noch mehr Müll an, was komplett dem eigentlichen Prinzip widerspricht. Zum Upcyclen sollte man wirklich nur Materialien benutzen, die man bereits besitzt und die man vielleicht ebenfalls weggeworfen hätte. Der Einsatz von zusätzlichen Ressourcen nur um zu upcyclen ist hier eigentlich nicht gewollt.

Upcycling ist ein toller Weg, um Kindern mehr über die Wiederverwertung von Müll näher zu bringen und fördert dabei beim Basteln auch noch die Kreativität. Da Kinder gerne und viel basteln, ist Upcycling außerdem eine gute Möglichkeit, Ressourcen zu schonen. Kindliche Kunstwerke können auf Altpapier oder Tapetenresten genau so schön entstehen wie auf einem Zeichenblock, mit Puppen aus Woll- und Stoffresten spielt es sich gleich viel einzigartiger!

Fazit: Upcycling ist in, sollte aber nicht noch mehr Müll produzieren als man damit theoretisch verhindert. Wer Upcyclen will, kann es also langsam angehen, ob nun eine Pinnwand aus Korken oder Schaukeln aus Autoreifen – alles kann man irgendwie aufwerten und man schont dabei gleichzeitig die Umwelt.

Upcycling für Kleidung und Möbel

Thriftshopping und Kleidertausch-Portale im Internet und als Apps helfen, Kleidungsstücke länger in Umlauf zu behalten und verhindern somit, dass sie im Müll landen. Nachhaltiger wäre es dennoch die Textilien gleich von Anfang an hochwertiger zu produzieren, sodass es nicht allzu schnell dazu kommt Kleidung wegwerfen zu müssen. Am nachhaltigsten wäre es natürlich, seinen eigenen Konsum zu bremsen und sich bei jedem Stück gut zu überlegen, ob es wirklich gebraucht wird.

Selbst abgetragene und kaputte Kleidung kann man wiederverwenden, beispielsweise lässt sich aus alten Jeans in wenigen Schritten eine neue Tasche zaubern!

Sogar Adidas hat sich mit diesem Prinzip auseinandergesetzt, wie sich in den letzten Jahren zeigte. Sie produzierten mehr als eine Million Schuhe – aus Meeresmüll. Mehr als 95% des Materials bestand aus recyceltem Plastik. Auch wenn diese Aktion keine große Auswirkung auf die Umwelt hatte und vielleicht nur ein cleverer Marketing-Coup ist: das Thema rückt weiter in den Fokus unseres täglichen Lebens.

Upcycling als Geschäftsidee: “Aluc” und “Pentatonic”

Auch Upcycling-Labels wie zum Beispiel Aluc verarbeiten Stoffreste aus Massenproduktionen und stellen aus ihnen exklusive Hemden und Blusen her. Sie arbeiten mit industriellen Reststoffen, die bei Produktionen abfallen, sowie mit Farb- und Musterproben. Die Kleidungsstücke sind daher nur begrenzt verfügbar und meist Einzelstücke.

Mehrere Unternehmen produzieren Möbel aus recycelten Müll, beispielsweise Pentatonic. Aus Plastikflaschen entstehen Stühle: die Flaschen werden zur Sitzfläche und aus den Deckeln entstehen die Stuhlbeine. Darüber hinaus produzieren sie Geldbörsen aus Plastik oder schenken kaputten Smartphone-Displays ein zweites Leben – als Trinkgläser. Der einzige Nachteil sind die hohen Preise, die Plastikflaschen-Stühle beispielsweise bekommst du nur zwischen 200 € und 500 €.

Mach es wieder heile! Repair-Cafés helfen dabei

Wir haben alle die (aus der Nachhaltigkeitsperspektive gesehen) schlechte Angewohnheit Gegenstände wegzuwerfen, die kaputt gehen. Es ist einfacher etwas neu zu kaufen als es reparieren zu lassen. Meistens haben wir natürlich nicht das nötige Wissen, um Defektes zu reparieren oder wollen nicht noch zusätzlich Geld dafür ausgeben. Hier kommen Repair-Cafés ins Spiel: dort finden ehrenamtliche Treffen mit Fachmännern und -frauen statt. Werkzeug, Materialien und Hilfe findet man alles vor Ort. Nicht nur elektronische Geräte kann man dort reparieren, sondern auch Kleidung, Möbel und Gebrauchs-Gegenstände. Diese sind auf so brauchbar und werden nicht weggeworfen. Das ist echt eine tolle Idee, hoffentlich setzt sie sich schnell und großflächig durch. Gerade Elektro-Schrott belastet unsere Umwelt enorm.

Wir versuchen als muckout nach wie vor in unseren Workshops auf das Thema Upcycling einzugehen und freuen uns über Anregungen. Und darauf, dich oder dein Kind in einem DIY-Workshop kennenzulernen.

Materialkunde: Das Wunder Kork

Kork ist eines der angesagtesten DIY-Materialien der letzten Jahre, darum will ich euch diesen faszinierenden Werkstoff einmal genauer vorstellen.

50 bis 100 Jahre. Nahezu ein Menschenleben. Genauso alt könnte das Stück Natur sein, das wir beim Entkorken einer Weinflasche in unseren Händen halten.

Photo by Elisha Terada on Unsplash

Erst nach der dritten Schälung der Korkeiche hat die Rinde nämlich die notwendige Qualität zur Herstellung eines Korkens. Der Baum ist dann schon über 40 Jahre alt. Bei seiner ersten Entrindung war er 25, zwischen allen folgenden liegen mindestens neun Jahre. – 50 bis 100 Jahre also für so etwas kleines und einfaches wie einen Weinkorken. Die Erkenntnis ist wie eine Schule in Demut.

Dass von dem wundersamen Material eine große Wertschöpfung nicht nur wirtschaftlicher Art ausgeht, ist nichts neues. Ob Jasper Morrisons „Cork Familiy“ für Vitra oder die „Sinnerlig“-Serie von Ilse Crawford für Ikea – seit einigen Jahren setzen Architekten,
Inneneinrichter, Designer und Dekorateure immer wieder auf natürliche Materialien wie zum Beispiel Kork. Die Gründe dafür sind zahlreich: Die Menschen sind umweltbewusster geworden und wollen auch in ihren Wohnräumen eine einigermaßen gute Ökobilanz
erzielen. Die zunehmend geistige Arbeit, die wir die meiste Zeit des Tages sitzend vor Bildschirmen leisten, sorgt bei vielen für einen gewissen Grad der Entfremdung – dem man mit der Hinwendung zu einer nachhaltigen Lebensweise entgegenarbeitet.
Materielles kann nicht die Antwort auf das Dilemma sein, sich mit Naturprodukten zu umgeben, sorgt aber zumindest für ein gewisses Bewusstsein, das im besten Fall in eine andere Richtung führt.

Photo by Lauren Roberts on Unsplash

Nachhaltigkeit – Kork ist ein idealer Komplize

Kork ist jedenfalls mit seiner warmen und ruhigen Ausstrahlung ein idealer Komplize dafür.
Das Material lässt sich in fast alle möglichen Formen bringen, es ist stabil und langlebig, luftdurch- und wasserundurchlässig, es schimmelt nicht, ist hypoallergen und leicht zu reinigen. Die Umwelteinwirkungen sind niedrig und die Energieeffizienz ist hoch. Nicht nur, dass Kork zu 100% recyclebar ist, CO2 bindet und durch seine an Bienenwaben erinnernde Struktur isolierend und schalldämpfend wirkt. Das beste ist: Kein Baum wurde dafür abgeholzt. In Zeiten von Klimawandel und Erderwärmung durch massive Rohdung der Regenwälder ist das eine tolle Nachricht.

Im Mittelmeerraum stehen riesige Korkeichen-Wälder, die schon seit tausenden von Jahren bewirtschaftet werden. Die Korkindustrie ist hier einer der wichtigsten Arbeitgeber. Der Eichenwald schafft in Portugal, dem größten Kork-Produzenten weltweit, allein 10 000
Arbeitsplätze, 6500 zusätzliche sind es im Bereich Erhaltung und Entwicklung der Wälder. Die Wälder selbst sind beispiellose Ökosysteme und wurden als einer der weltweiten Hotspots der Biodiversität identifiziert. Die Beziehung zwischen Mensch und Natur scheint hier in Einklang zu sein. Die Bäume werden bei der Schälung nicht zerstört, sofern die Arbeiter vorsichtig vorgehen. Wenn man die Rinde zu tief einschneidet und der Baum verletzt wird, könnte er austrocknen und absterben. Ansonsten durchlaufen die Eichen nach der Entrindung aber einen erstaunlichen Selbstgenerierungsprozess.

Photo by Annie Spratt on Unsplash

Kork – nicht mehr nur als Korken in Weinflaschen

Einzigartig ist auch die Vielseitigkeit des Materials. Als High-Tech- Dämmstoff fliegt er in den Außenwänden von Space Shuttles ins Weltall, bei Blasinstrumenten sorgt er im Mundstück für den guten Klang. Zusammen mit dem hohen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Wert von Kork verwundert es fast ein wenig, dass sein Trend in Design und Dekoration erst jetzt eingesetzt hat. Immer mehr Gegenstände ergänzen die Pinnwände und Untersetzer in den Haushalten. Ob kombiniert mit Glas, Keramik oder Stein, ob Schmuck, Notizbücher oder Regenschirme: Kork kann alles – und kommt nicht immer in hellem Braun daher. Der spanische Designer Carlos Ortega hat nicht nur wunderbare Schalensitze entworfen, sondern auch Containerboxen, die er in dezenten Farben laminiert hat.

In der Korkverarbeitung verbindet sich eine jahrhundertealte Tradition mit modernen Verfahren einer zukunftsgerichteten und nachhaltigen Industrie. Die Vielzahl an Farben, Formen, Mustern und Texturen ist verblüffend. Wer nach Schönheit, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit sucht, wird bei diesem komplexen Material fündig, das bis heute durch keine Technologie imitiert werden konnte.

Kork ist von unschätzbarem Wert. Vielleicht erinnern wir uns bei der nächsten Weinflasche daran.

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