Ein Jahr Shopping-Verzicht – was habe ich gelernt?

Na? Bist du noch auf der Suche nach einem guten Vorsatz fürs neue Jahr? Sag doch einfach “Nein” zu neuer Kleidung und lerne Zufriedenheit mit dem, was du hast…

Von wegen Shopping-Verzicht

Ehrlich gesagt: Klamotten waren für mich immer wichtig. Viel zu wichtig. Ich habe mich darüber definiert und auch, wenn ich keine Designer- ja nicht mal wirklich Markenkleidung hatte, waren sie irgendwie ein Status-Symbol. Ich habe viel zu viel Geld dafür ausgegeben und zuviel Zeit verschwendet, Zeug online zu shoppen.

Da hatte ich dann irgendwie keine Lust mehr drauf. Also hab ich mir vorgenommen, ein Jahr aufs Shopping zu verzichten. Ich habe schnell gemerkt, dass das Wort Verzicht gar nicht wirklich passend ist. Es ist eher eine Befreiung, etwas, das man freiwillig tut bzw. lässt. Ich hätte es schon viel früher tun sollen. Rückblickend hab ich in der Zeit vor der Challenge eine Menge Geld und Zeit verschwendet.

Insgesamt war ich schon nach kurzer Zeit erleichtert, wieviel leichter mir das alles fällt (ja, ich hatte etwas Angst, mein Umfeld hat nicht gerade geholfen mit Aussagen wie: “Du und keine neuen Klamotten?!”). Aber es hat sich schnell herausgestellt, dass es viel einfacher ist als gedacht. The new normal. Mein Gehirn hat die Schaltplätze schnell anders verkabelt und ich habe mich schlichtweg nicht mehr mit meinen vorherigen Bedürfnissen nach neuer Kleidung beschäftigt. Kein Scrollen durch die Online-Shops und kein Blättern in Katalogen. Ja, nicht mal ein leises Neid-Gefühl wenn die Freunde neue Sachen hatten. Aber: auch wenn ich mir nichts gekauft hatte, kam ich trotzdem zu ein paar neuen Lieblingsstücken. Wie bereits erwähnt, hab ich ein bisschen getauscht und dann hab ich noch ein paar aussortierte Kleidung meiner besten Freundin bekommen. Dazu kann ich nur ermuntern, vernetzt euch und zeigt, was ihr nicht mehr mögt und tauscht, was das Zeug hält. Mit Blick auf den minimalistischen Kleiderschrank hab ich allerdings für jedes Teil, was neu rein ging, ein anderes aussortiert.

Im Folgenden findest du meinen ersten Text zu Beginn der Challenge, ich hoffe, er inspiriert dich!

Weniger ist mehr – Minimalismus im Kleiderschrank

Too many choices are a prison – Weniger ist wirklich mehr

Vor meinem kleinen Experiment stand ich häufig vor meinem viel zu vollen Kleiderschrank und hatte gar nichts anzuziehen. Ironischerweise hat sich das verkehrt, nachdem ich ausgemistet habe und nicht wirklich Neues dazu kam. Wer hätte gedacht, dass eine Begrenzung befreiend wirken kann!? Ich jedenfalls nicht. Diesen Mechanismus erst mal zu erkennen, hat allerdings noch mehr in mir verändert. Irgendwie habe ich das Gefühl von allem weniger zu wollen und zu brauchen. Direkt nach Start der Challenge habe ich mich im Bad umgesehen und auch dort angefangen rauszuschmeißen, zu reduzieren und zu überdenken. Zugegeben es ist ein Prozess und geht nicht von heut auf morgen, aber ich habe das Gefühl, dem Leben näher zu kommen, das ich führen will. Ein verantwortungsbewusstes.

Ich freue mich, dazu zu lernen und mit anderen über ihre Erfahrungen zu reden. Hinterlass mir also gerne einen Kommentar mit Lesetipps oder eigenen Erfahrungen!

Regelmäßig ausmisten: Der minimalistische Kleiderschrank

Außerdem wollte ich mich gerne wieder so richtig in meiner Kleidung wohlfühlen und nicht ständig unzufrieden sein, weil dies und das vermeintlich fehlt. Also hab ich versucht, meinen Stil zu fokussieren und alles rauszuschmeißen, was ich eh nicht anziehe oder worin ich mich nicht wohlfühle. Das hat unterschiedlich gut geklappt. Einerseits hatte ich eine Hamster-Mentalität von wegen: “wenn nichts dazu kommt, muss alles bleiben, nicht dass du nichts mehr anzuziehen hast…” Andererseits konnte ich mich dann doch von langjährigen Schrankhütern trennen. Ich hab mich bemüht, alles im Schrank wenigstens einmal anzuziehen und dann zu schauen, wie ich mich mit dem jeweiligen Teil wohlfühle. Wir haben bei muckout im Spätsommer/Herbst zwei Flohmärkte veranstaltet, auf denen auch getauscht wurde. So habe ich durch Tauschen zwei neue Teile erhalten. Der Rest ist in der Kleiderspende für eine Anlaufstelle für jugendliche Obdachlose gelandet. Tipps, was du mit aussortierter Kleidung tun kannst, findest du in meinem Artikel:

Kleiderschrank ausmisten – Tipps und Tricks für aussortierte Kleidung

Das Aussortieren ist nach wie vor ein stetiger Prozess. Mindestens einmal im Monat schau ich ganz genau in den Kleiderschrank (und mittlerweile auch die Wohnung) und sage mir eine Summe X, soviel Teile müssen dann gehen. Je mehr gegangen ist, umso mehr möchte ich noch loswerden. Ich stehe ständig in der Wohnung und denke: das ist alles viel zu viel. Das brauchen wir doch gar nicht.

Tipps und Gedanken zum Thema Ausmisten findest du außerdem bei Marlene:

Ausmisten für den Seelenfrieden

Nachhaltiger leben, Verantwortung zeigen

Den Film “The True Cost” kann ich jedem nur ans Herz legen. Er zeigt, welch großen Impact unser Lebensstil auf die ganze Welt hat. Manches davon weiß man, manches will man nicht wissen und vor allem wollen die meisten aus diesem Wissen keine Konsequenz ziehen. Mich hat der Film sehr bewegt und sehr nachdenklich gestimmt. Jetzt, wo ich vielleicht doch mal eine neue Winterjacke oder neue Socken brauche, werde ich definitiv nach fairen Labels Ausschau halten (auch hier freu ich mich sehr über Tipps von regionalen Anbietern…)

Lerne deine Kleidung mehr zu schätzen und verpass ihr ein Makeover!

Ich habe meine Sachen in der letzten Zeit viel mehr schätzen gelernt. Und die Zeit und Arbeit, die in ihrer Herstellung stecken: das ist nichts zum (k)ein mal anziehen und wegwerfen, wie soviele es mittlerweile praktizieren, weil Kleidung praktisch nichts mehr kosten muss. Da sich meine Wahrnehmung und Wertschätzung geändert hat, freu ich mich, wenn Sachen lange in meinem Besitz sind. Ja, ich hab tatsächlich noch Kleidungsstücke (wenn auch wenige), die ich vor 15 Jahren mit meinem ersten Ausbildungsgehalt gekauft habe….

Um noch mehr solcher Langzeit-Stars in meinem Kleiderschrank zu haben, muss ich in Zukunft alles besser pflegen und behandeln. Ich habe z. B. Lieblings-Teile, die ich nicht missen möchte, repariert bzw. geflickt (jap, mit richtigen Stoff-Stücken am Ellenbogen und so) und anderen Sachen einen neuen Look gegeben, um sie wieder mehr zu mögen. Gerade, was das Aufwerten von Kleidungsstücken angeht, möchte ich noch mehr versuchen und natürlich mit dir teilen!

Die Vögel auf dem Blusenkragen kannst du ganz einfach nachmachen, wenn du einen Plotter hast! Die Vorlage kannst du dir von uns herunterladen. Die Bluse stammt übrigens auch noch aus der Ausbildungszeit und ist so mindestens 10 Jahre alt.

DIY-Makeover: Blusen-Kragen mit goldenen Vögeln (inkl. Freebie-Plotterdatei)

Natürlich kam Milka zum Glamour-Photoshoot auf dem Schlafzimmerboden dazu… Ich freue mich, wenn der Text eine Inspiration für dich ist und noch mehr über Kommentare, deine Erfahrungen und Tipps!

Kleiderschrank ausmisten – Tipps und Tricks für aussortierte Kleidung

*Werbung wegen Verlinkung/unbezahlt*

Ich betreibe immer noch sehr glücklich Kleiderfasten und würde das einfach jedem empfehlen. Die Beweggründe zum Shopping-Verzicht kannst du in meinem Beitrag: Weniger ist mehr – Minimalismus im Kleiderschrank nachlesen.

Es fällt mir soviel leichter als zunächst befürchtet. Ich bin seitdem sogar in einem kleinen Ausmist-Rausch und hab mir nicht nur den Kleiderschrank vorgenommen. Declutter your life! Es ist wirklich einfach befreiend. Ich will mich nicht zu sehr lesen wie ein Ratgeberbuch, tue es aber trotzdem mal für den nächsten Absatz…

Ich werde beispielsweise schnell hektisch und nervös bei vielen losen Enden und To-Dos. Beim Ausmisten habe ich festgestellt, dass kramige Räume, Schränke und Ecken mich genauso stressen. Also hab ich mich sogar an die “Unterlagen-Schublade” gesetzt. Ja genau, die Schublade, in die ich alle Briefe reinwerfe, die ich dann irgendwann (haha) mal einhefte. Jedes Mal ein Fest, wenn man in dem Teil was sucht… Meine Decluttering-Lust geht soweit, dass ich selbst Aufgaben versuche nicht mehr aufzuschieben, sondern sofort erledige. Gut, ich arbeite noch dran, aber es ist schon viel besser geworden, ergo: ich bin viel entspannter. Ich hätte nicht gedacht, dass so eine verhältnismäßig kleine Challenge solche Auswirkungen auf mich hat.

Um dir den Start ins Ausmist-Glück zu erleichtern, habe ich eine Pinnwand mit verschiedenen Tipps und Tricks zum Ausmisten angelegt.

white shirt: enough

Shopping-Verzicht, Durchhalten!

Mir fällt es bisher zum Glück super einfach, durchzuhalten. Aber ich hab trotzdem ein paar Tipps: Entfolge bzw. verberge Shopping-Websites wie H&M oder Zalando in deinem News-Feed. Die Werbung hat bei mir schon häufiger gezogen und ich hab erst beim Bezahlen gemerkt, dass ich durch einen Link bei Facebook beim Shoppen gelandet bin. Kataloge, die dich auf dem Postwege erreichen, solltest du einfach abbestellen. Mit der Zeit verschiebt sich der Fokus und man nimmt diese Reize nicht mehr so wahr! Versprochen!

Wohin mit den aussortierten Klamotten?

Es ist leichter, dich von Dingen zu trennen, wenn du einen guten Grund hast. Überleg dir gut, was du mit den aussortierten Sachen tun willst. Ich spende beispielsweise gerne für spezielle Projekte. Mir vorzustellen, wer die Sachen bekommt und dass sie wirklich helfen, erleichtert es mir, sehr großzügig auszusortieren. Derzeit spende ich meine Sachen für eine Obdachlosenhilfe in Berlin. Es ist quasi das Gegenteil vom bewussten Einkaufen. Bewusster loswerden.

Im Folgenden erkläre ich ein paar Möglichkeiten und warum manche vielleicht nicht so optimal sind, wie du denkst.

Kleiderkammer statt Altkleider-Container

Altkleider-Container stehen an jeder Straßenecke rum. Fakt ist, nicht alles, was gespendet wird, landet bei Bedürftigen. Es könnte sein, dass deine vermeintlich gespendeten Sachen an Second-Hand-Läden verkauft oder einfach nur geschreddert werden und in neue Stoffe verwandelt werden. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, besuch Utopia und lies die Tipps zur sinnvollen Kleiderspende.

Kleiderspende statt Altkleider-Container: Gebrauchte Klamotten sinnvoll spenden

Bringe deine Sachen beispieksweise lieber in die Kleiderkammer. Die Kleiderkammern des DRK sind eine gute Adresse, um deine nicht mehr benötigten Sachen (auch Bettwäsche etc.) nützlichn abzugeben. Auf der Homepage vom DRK findest du Kleiderkammern in deiner Nähe. Bei uns in Kyritz gibt es die GAB (Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung), hier kann man Kleidung und andere Dinge spenden und Bürger mit geringem Einkommen können diese günstig erwerben. Mach dich schlau, welche Hilfsangebote es in deiner Stadt gibt.

Kleidertausch und Flohmarkt

Veranstalte einen Kleidertausch-Abend mit deinen Freunden! Trefft euch doch zum Quatschen und Zeit verbringen und zeigt euch die aussortierten Sachen. So findest du vielleicht neue Lieblingsstücke und das Nicht-Shopping ist leichter durchzuhalten.

Oder du stellst dich für einen Vormittag auf den Flohmarkt, Tipps für einen erfolgreichen Flohmarkt-Tag hat Marlene für dich zusammengefasst. Darüber hinaus gibt es in vielen Städten Second Hand Läden, auch dort kannst du mit deiner Kleidung vorstellig werden. Viel Erfolg!

Vergiss nicht, das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, welches erst gar nicht hergestellt wird. Durch Kleidertausch und Second Hand wird ein Bedarf gedeckt, ohne dass dafür neu produziert werden muss! Dicke Win-Win-Situation.

Photo by Victor Garcia on Unsplash

Basteln statt wegwerfen!

Das naheliegendste für uns ist es natürlich, mit aussortierter Kleidung (sofern sie sich nicht für Spenden eignet) zu basteln oder ihr ein Makeover zu verpassen. Das Headband von Lindaloves.de kann man beispielsweise auch super aus aussortierten Shirts machen! Sticken ist außerdem eine gute Idee, so kannst du toll kleine Löcher verbergen und/oder deinen Klamotten einen neuen Look verpassen. Für Inspirationen und eine Sammlung toller Stiche, solltest du mal im Stick-Lexikon von Pumora vorbeischauen!

Lerne, deine Sachen wertschätzen

Ich bin jetzt dazu übergegangen, Kleidung zu reparieren (oder reparieren zu lassen). Ganz ehrlich, früher hab ich sie (meistens) einfach aussortiert. Das soll jetzt nur noch das allerletzte Mittel sein. Ich habe so schon meine gut eingelaufenen Laufschuhe gerettet. Die Schuhe standen ewig ungenutzt rum und ich habe mit mir gehadert, mir neue zu kaufen. Durch den dünnen ungefütterten Stoff waren nämlich meine großen Zehen zu sehen. Also hab ich sie gestopft! Man sieht zwar ein bisschen, dass ich sie gestopft habe. Aber wen interessiert das eigentlich morgens um 7 Uhr auf dem Feld?! Genau.

Meine Lieblings-Sweat-Jacke hat ein dickes Loch am Ellenbogen, aber ansonsten lieb ich sie! Also suche ich gerade nach einem passenden Patch. Gerade bei Kinderkleidung, die auch häufiger kaputt geht, kann man sich richtig austoben! Wir haben da mal eine Pinnwand (DIY – Kleidung reparieren) mit weiteren Inspirationen angelegt.

 

Hast du Tipps oder Erfahrungen für mich? Dann freue ich mich sehr, wenn du einen Kommentar da lässt!

Weniger ist mehr – Minimalismus im Kleiderschrank

Minimalismus vs. Bitte einmal alles. Seit ich denken kann, bin ich ein Sammler. Mein Motto ist: Haben ist besser als Brauchen. Im Dauer-Bastel-Modus von muckout hat diese Einstellung endlich ihren Zweck gefunden. In meinem Kleiderschrank allerdings nervt sie mich. Dazu kommt: ich möchte an meinem Konsum-Verhalten etwas ändern. Schon seit Längerem hadere ich mit meinen Shopping-Gewohnheiten. Nein, ich bin jetzt nicht die Dauer-Käuferin und überhaupt ist mein Kleiderschrank von überschaubarer Größe. Aber trotzdem stört mich meine Lust auf neue Kleidung aus mehreren Gründen.

1. Geldverschwendung

Seien wir mal ehrlich: soviel Kleidung braucht man eigentlich gar nicht. Selbst wenn ich jeden Tag etwas anderes anziehe, bleibt genug im Schrank so lange unangetastet, bis es mir nicht mehr gefällt. Kleidung zu kaufen, die man nicht anzieht, ist natürlich schlichtweg Geldverschwendung.

2. Überstrapazierte Ressourcen

In der Küche versuche ich bereits seit Jahren so wenig wie möglich wegzuwerfen und alles aufzubrauchen. Also ist mein Kaufverhalten in diesem Bereich meines Lebens bereits gut darauf eingestellt, nicht zuviel oder unnötig einzukaufen. Das möchte ich nun überfälliger Weise auf den Kleiderschrank übertragen. Sehr aufschlussreich und motivierend ist eine Umfrage von Greenpeace mit dem eindringlichen Titel: Wegwerfware Kleidung. Aus dieser geht beispielsweise hervor, dass jedes fünfte Kleidungsstück in Deutschland so gut wie nicht getragen wird. Oder Textilien vor allem aussortiert (weggeworfen) werden, weil sie nicht mehr gefallen. Es gibt natürlich sogar ein Wort hierfür: Fast Fashion. Wenn ich mir das auf der Zunge zergehen lasse, wird mir schlecht. Wie entfremdet sind wir bitte? Wenn man sich kurz mal vorstellt, wieviel Schritte es von der Baumwolle zum fertigen Shirt braucht, wieviel Menschen daran beteiligt sind, wieviel Energie für Herstellung und Transport verwendet wurde… Und bei uns wird es zur Wegwerfware?!

3. Nicht vertretbare Herstellungsbedingungen

Wir alle kennen die Bilder der Näherinnen und Näher und vor allem der arbeitenden Kinder in den großen Textilfabriken Asiens. Es ist so ähnlich wie mit den Bildern aus Schlachthäusern: Daran will man keinen Anteil haben! Unser Konsumhunger (am liebsten billig) fordert anderswo einen hohen Preis. Ob Ausbeutung oder Umweltverschmutzung, das passiert, weil wir es so wollen. Hier ist ein kleiner Beitrag zu Kinderarbeit in Bangladesh. Spiegel.de zeigt: Kinderarbeit hat Methode und fast keines der großen Modehäuser ist eine Ausnahme.

4. Unzufriedenheit

Ich stelle in letzter Zeit immer deutlicher fest, dass keine Zufriedenheit mehr einsetzt, wenn ich die neuen Teile in den Schrank sortiere. Ich erinnere mich noch gut an meine Schulzeit. Da hatte man ein paar Lieblingsteile und konnte es nicht erwarten, wenn die endlich aus der Wäsche kamen. Neue oder besondere Klamotten wurden regelrecht gefeiert. Dieses Gefühl habe ich heute zwar immer noch ganz ganz leise für das ein oder andere Stück. Aber dann verstehe ich nicht, warum ich ständig vor einem Kleiderschrank stehe, der voll ist mit “ich hab nichts zum Anziehen”. Daher würde ich gerne meinen Bezug zu meiner Kleidung verändern. Ich bin mir sicher, dass ich das nicht schaffe, in dem ich fröhlich weitershoppe. Minimalismus für mehr Zufriedenheit…

Minimalismus im Kleiderschrank - Kleidungsstapel auf Stuhl

Photo by Sarah Dorweiler on unsplash

Minimalismus, ich mach ‘ne Challenge draus: Hashtag needed

Nachdem ich also ein paar inspirierende Blog- und Magazin-Beiträge gelesen habe, ist hier mein Entschluss: Keine neuen Klamotten in 2018.

Das ist kein Neujahrsvorsatz, sondern eigentlich erst Ende Januar konkret geworden. Auf den Januar zurückblickend kann ich sagen: soooo viel hab ich nicht gekauft! Einen dringend gebrauchten Badeanzug, neue Laufschuhe nachdem die alten gerissen sind, ein neuer Rucksack für den Urlaub und zwei Shirts als Mitbringsel aus dem Urlaub. Aber jetzt ist Schluss. Kein Nebenbei-Online-Shoppen auf dem Telefon, kein Kataloge-Gucken, kein Schaufensterbummel. Ich habe genug. Nee, ich hab weitaus mehr als genug.

Diese Challenge ist natürlich nicht neu: einen Erfahrungsbericht gibt es beispielsweise auf huffingtonpost.com oder auf stern.de (hier wird auch auf Fast Fashion eingegangen).

Bewusster Konsumverzicht bei Kleidung – die Vorteile

Bewusster Kleidung zu kaufen oder eben nicht zu kaufen, hat ein paar Vorteile.

Allen voran: man spart Geld. Yay. Ein Jahr keine Kleidung. Wie Konsumverzicht Leben und Finanzen pusht

Beschäftigt man sich nicht mehr soviel mit seinem Aussehen und wie man dieses durch Kleidung aufwertet, bleibt mehr Gehirn für die wichtigen Dinge im Leben. Steve Jobs beispielsweise hatte jahrelang das gleiche Outfit an und das hatte einen interessanten Grund: Er wollte seine Entscheidungskapazität groß halten. Diese sollte nicht für verhältnismäßig unwichtige Entscheidungen wie Kleidung verwendet werden.

Natürlich lebt man auch bewusster. Ein Zustand, der sich hoffentlich auf andere Lebensbereiche überträgt. Was, wenn man generell weniger will und weniger braucht?

Ich wünsche mir mehr Respekt vor der Arbeit und dem Aufwand, der dahinter steckt. Arbeit sollte keine Wegwerfware sein! Und ich wünsche mir, dass ich zufriedener bin mit dem, was ich habe und nicht gierig die Online-Shops nach vermeintlichen Must-Haves durchwühle.

Minimalismus im Kleiderschrank - leere Kleiderbügel

Photo by Andrej Lisakov on unsplash

Aumisten: Wannabe-Klamotten loswerden/eigenen Stil fokussieren

Wenn ich in meinen Kleiderschrank schaue, sehe ich viel mehr Farbe als ich gerne anziehe. Meine Lieblingsfarbe ist Schwarz, dicht gefolgt von grau. Ganz selten darf es mal ein Muster sein. Das spiegelt mein Schrank so nicht wider.

Jup, das bin ich. Total unbunt.

Außerdem ziehe ich viele Klamotten einfach nicht mehr an. Also möchte ich zu Beginn der Challenge ausmisten.

Vor dem Aussortieren ist es wichtig, mal in sich zu gehen und zu überlegen, welche Kleidung man ständig trägt und welche nie oder so gut wie nie. Warum man bestimmte Sachen nicht anzieht, kann viele Gründe haben: sie passen nicht, sie gefallen nicht (mehr) oder man fühlt sich in ihnen einfach unwohl.

Vor allem sollte man das Wunschdenken mit aussortieren: Ich denke, jeder kennt sie. Die Wannabes in der Garderobe. Damit meine ich die Sachen, in denen man sich gerne sehen möchte. Die man gekauft hat, weil sie extravagant oder super schick sind und mit denen man eine gewisse Ausstrahlung verbindet, die man gerne für sich beanspruchen möchte. Und da man sich selbst so gut in diesen Sachen vorstellen kann, sortiert man sie nicht aus. Hier sollte man ehrlich zu sich sein und sie wirklich rauswerfen.

Hilfreiche Tipps zum Ausmisten hat Marlene bereits auf dem Blog gezeigt und bei stern.de findest du Inspiration zum sogenannten Kleiderfasten.

Mini-Challenge: Meine komplette Garderobe einmal tragen

Hier kommt die Mini-Challenge für mich. Ich habe mir vorgenommen, alles einmal anzuziehen und den Tag über zu schauen, wie wohl ich mich tatsächlich in den Sachen fühle. Was Unbehagen verursacht, fliegt sofort raus. Im Idealfall entdecke ich so alte Lieblingsstücke neu und das ein oder andere Teil erlebt ein Comeback.

don’t buy challenge: Inspirationen

Ein ähnliches Vorhaben hat auch Lisa von meinfeenstaub, allerdings legt sie noch eine Schippe rauf und näht einfach selbst, was sie gern hätte. Da ich an der Nähmaschine eher unbegabt bin, ist das für mich keine Option :D. Ihre Challenge ist aus meiner Sicht vor allem super, weil sie den oben beschriebenen bewussten Umgang mit der Kleidung anders erlebt, wenn sie diese selbst näht. Die Wertschätzung der neuen Stücke ist dann eine ganz andere. Ich werde auf jeden Fall verfolgen, wie es bei ihr weitergeht.

Meine große Challenge 2018 – DIY don’t buy

Wer noch mehr Inspiration/Motivation benötigt, liest einfach mal die Sunday Review: My Year Of No Shopping in der New York Times nach!

Auf unserer Pinnwand: Lifestyle – Ausmisten & Kleiderfasten haben wir weitere Ratgeber und Lektüre-Hinweise gesammelt.

Ich werde dich auf dem Laufenden halten! Hast du bereits etwas Ähnliches versucht? Oder Tipps und spannende Lektüre für mich? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

Upcycling – Müll wie neu geboren

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Zugegeben, die Überschrift klingt etwas hart. Genau genommen geht es beim Upcycling aber genau darum: Aus Dingen, die die Menschen nicht mehr benötigen – und häufig wegwerfen – neue Dinge zu schaffen und ihnen somit ein zweites oder drittes Leben zu schenken, eine neue Funktion zu geben.

Upcycling ist jetzt cool

Vor einiger Zeit ist man mit dem Thema nicht so offen umgegangen. Es war eher angesehen, sich schöne neue Dinge zu kaufen und sich damit schick einzurichten. Leute, die im Sperrmüll wühlten, wurden abschätzig beäugt. Das hat sich zum Glück geändert. Mittlerweile möchten viele die Umwelt schonen, Ressourcen sparen und in einer nachhaltigen Anti-Wegwerfgesellschaft leben.

Also werden nicht nur Designer kreativ; Menschen überlegen sich tolle Dinge aus scheinbar unnützen Gegenständen und zusätzlich zum Umweltschutz spart man auch noch Geld.

Downcycling? Noch nie gehört.

Recycling und Upcycling sind Begriffe, die in der Do-It-Yourself-Szene vielfach verwendet werden – oft auch mit gleicher Bedeutung. Es gibt jedoch nicht nur Unterschiede in der Bedeutung, sondern auch eine weitere Abstufung. 

Downcycling: Verfallene Stoffe oder Materialien können nicht mehr in den ursprünglichen Zustand verwertet werden. Beim Downcycling entstehen daher minderwertigere Stoffe. Wird Papier “gedowncyclet”, werden die Papierfasern verkürzt, sodass ein neues, jedoch minderwertiges Papier (Toilettenpapier, Recycling-Drucker-Papier) entsteht. Dieses kann niemals so hochwertig bearbeitet werden, dass es an neu produziertes Papier herankommt. Auch aus manchen Kunststoffprodukten entstehen minderwertige Materialien, weil die wichtigen Inhaltsstoffe beim Downcycling zerstört werden. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Kunststoff-Arten, die auch unterschiedlich verwertet werden müssen. Nur wenn die jeweiligen Kunststoffe artenrein getrennt würden, ist es möglich, aus diesen auch wieder hochwertige Produkte herzustellen. Werden also PET-Flaschen gesammelt, können diese zu hygienisch einwandfreien Flaschen recyclet werden. Kunststoffe, die gemischt entsorgt werden, sind umso schwieriger recyclebar. Aus diesen “Mischkunststoffen” entstehen dann unter anderem Plastiktüten oder Textilien (Ja, Textilien!).

Recycling: Beim Recycling werden Abfallprodukte wiederverwertet; gerade in Deutschland kennen wir die gelben und blauen Tonnen nur zu gut. Diese Stoffe, werden beim Recyclen wieder zu dem ursprünglichen Zweck – meistens Verpackung – verarbeitet oder auch zu völlig neuen Materialien verwertet z. B. Fleecestoffe aus Plastikflaschen (siehe Downcycling).

Upcycling: Beim Upcyclen entstehen völlig neue oder höherwertigere Materialien oder Produkte. Dieser Prozess ist also für das Selbermachen besonders interessant, da beim Upcycling aus alten, nicht mehr gewollten Gegenständen etwas neues mit einer meist völlig anderen Funktion geschaffen wird.

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Mit wenig fängt es an!

Fragwürdig kann es natürlich sein, wenn einerseits durch Verwertungs-Methoden die Umwelt geschont werden soll, während andererseits viel Energie im Müll-Verwertungsprozess aufgewendet werden muss, was sich wiederum schädlich auf die Umwelt auswirkt. Am nachhaltigsten ist daher unbestritten die Müllvermeidung.

Wenn viele Menschen umdenken und mit kleinen Veränderungen beginnen, können wir gemeinsam einiges bewirken. Angefangen von der Mülltrennung (die ist wichtig, um das meiste aus unserem Müll zu holen) bis hin zu der Verwendung bereits re- und downcycleter Produkte (wie z. B. Toilettenpapier). Wichtig ist es zusätzlich, die umweltschonenden Prozesse in den Alltag einzubauen und Verhaltensweisen zu hinterfragen, z. B. Verpackungsmüll verringern und Produkte mit wenig oder keiner Verpackung zu bevorzugen. So hat sich der Berliner Supermarkt Original Unverpackt die Abfallvermeidung auf die Fahnen geschrieben. Ein tolles Konzept, was zunehmend an Fahrt aufnimmt. Auch in anderen Städten gibt es mittlerweile ähnliche Geschäfte.

Und da es eine Menge kreativer und innovativer Köpfe auf dieser Welt gibt, finden sich in einigen Läden und Online-Shops bereits Produkte, die so entwickelt wurden, dass sie nach Gebrauch ganz einfach recyclet werden können. Ein gutes Beispiel für innovative, nachhaltige Hygieneprodukte, ist die Online-Plattform Hydrophil. Was 2012 mit einem Blog begann, ist zu einem engagierten Unternehmen herangewachsen, das sich unter anderem stark für den gemeinnützigen Verein Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. einsetzt und somit dessen Aktionen für den Zugang zu sauberem Trinkwasser für Menschen in Ländern des globalen Südens unterstützt.

Aber zurück zum Upcycling! Von allen “Cyclings” ist das die für die Maker-Community die kreativste Art, ausgedienten Sachen neues Leben einzuhauchen. In unzähligen Blogs und Foren gibt es die wildesten Ideen und Inspirationen für einen nachhaltigen Umgang mit Müll. Eine der beeindruckendsten Ideen ist der Umbau aussortierter Schiffscontainer in Wohnungen und Büros. Hierbei wird nicht nur ein Müllproblem gelöst – wohin mit den Containern? – sondern es werden enorme Ressourcen (nicht zuletzt die liebe Zeit) eingespart.

muckout = ausmisten

Dass muckout im Deutschen “ausmisten” heißt, weißt du vielleicht schon. Und auch wir sind der Meinung, dass viele Dinge einfach noch nicht ausgedient haben. Warum ihnen nicht auch eine neue Chance und eine neue Funktion geben?

Wo kann man am besten nach tollen Upcycling-Projekten suchen? Klar: auf dem Dachboden, im Keller, bei den Eltern oder bei den Großeltern, auf Flohmärkten und und und. Das dachten wir uns auch und sind überzeugt, dass ausmisten nicht nur die eigene Bude befreit, sondern auch den Kopf. Außerdem, wer freut sich nicht über ein selbstgemachtes und vor allem individuelles Wohn-Schmuckstück!?

Der Klassiker: Die Palette

Paletten-Möbel sind mittlerweile ein langanhaltender Trend. Das wird sich so schnell auch nicht ändern, da Paletten einfach ein cooles Material sind. Robust und simpel zu bearbeiten. Das berühmt-berüchtigte Bett aus Euro-Paletten beispielsweise geht schnell und kostet (fast) nix, je nachdem wo man die Paletten herbekommt. Wir arbeiten hauptsächlich mit Einweg-Paletten, wie der Name schon sagt, werden diese nur einmal verwendet und landen danach auf dem Müll oder im Feuer. Das finden wir doof und haben verschiedene mo-Boxen mit Palettenholz entwickelt, z.B. ein Hängeregal. Es wäre viel zu schade um das schöne Holz, wenn seine Endstation der Ofen wäre.

Dinge, die wirklich jeder zu Hause hat

Praktisch sind natürlich auch die Sachen, die im Haushalt anfallen und sonst weggeworfen werden, wie zum Beispiel leere Flaschen und Dosen. Aus diesen Dingen lässt sich schnell eine individuelle Party-Deko fertigen. Flaschen, Gläser und Dosen bieten sich hervorragend als Vasen oder Windlichter an. Es müssen auch keine echten Blumen sein. Aus Ästen und Krepp- oder Zeitungspapier sind fix dekorative Blumen gebastelt.

Altglas-Upcycling, Flaschen einfach gold ansprühen und als Vasen verwenden

Das Party-Deko-Upcycling-Thema haben wir gleich mal sehr erfolgreich in unserem ersten Bastelcafé umgesetzt.

Upcycling kann eine Kreativitätsübung sein und dich regelrecht packen, so dass du nur noch nach Sachen Ausschau hältst, denen du eine zweite Amtszeit geben darfst. Organisier deinen Schreibtisch mit gepimpten Mandarinenkisten oder fertige ein Terrarium aus einer alten Kaffeekanne! Wir sind jedenfalls stets auf der Suche nach neuen Upcycling-Projekten und wollen dich zugleich damit inspirieren.

Noch lieber lassen wir uns von dir inspirieren! Hast du selbst bereits schöne Projekte umgesetzt? Zeig sie uns entweder auf unserer Facebook-Seite oder bei Instagram unter #nevernotmaking! Wir freuen uns auf deine Ideen!

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Umziehen macht Spaß. Oder?

Umziehen: Fluch und Segen zugleich? Für die einen ist der Umzug ein Neuanfang und für die anderen eine Flucht. Wie oft sollte man in seinem Leben eigentlich umziehen? In wie viele Kartons passt mein Leben? Wer umzieht, hat einiges Neues vor sich.

Nun sitze ich hier also in Wohnung Nummer sechs. Ernsthaft, sechs Wohnungen in acht Jahren. Gar kein schlechter Schnitt, oder? Meine Mutter hat mich heute gefragt, ob es mir wirklich so viel Spaß mache, umzuziehen. Ich fragte mich, ob ich das so jemals erwähnt habe!? Ok zugegeben, es bereitet mir wahnsinnig viel Freude, mich neu einzurichten. Aber nicht jeder Umzug macht Spaß, er kann enorm in Stress ausarten.

Ein Leben im Chaos und fünf nützliche Tipps

Zeitweise im Chaos leben ist bei einem Umzug selten zu vermeiden. Es sei denn, man hat so viel Zeit und Hilfe, den Umzug und das ganze „An-die-Wand-Geschraube“ in einem Abwasch zu erledigen. Für mich ist das Bohren und Dübeln am nervigsten: Alles steht noch sinnlos rum und um wirklich ordentlich einrichten zu können, müssen eben einige Dinge an die Wand. Als ungeduldiger Mensch, so wie ich es sein kann, muss man da wirklich viel Gelassenheit mitbringen. Es muss ja nicht immer alles auf einmal umgesetzt werden. Es wäre aber schön, wenn doch!

Fakt ist, dass es ohne gute Vorbereitung nicht funktioniert. Es gibt sehr viele Tipps, die beherzigt werden können. Vielleicht nehme ich mir dieses Thema demnächst noch mal genauer vor. Jetzt möchte ich dir meine fünf – aus eigener Erfahrung – hilfreichsten Tipps nennen, die ich beim Umziehen nicht mehr außer Acht lassen werde (und ich werde definitiv noch ein-zwei-Mal umziehen!) Los geht’s:

#1 Wenn möglich, wirklich alles in Kisten und Kartons packen, die gut stapelbar sind. Nicht davon verleiten lassen, alles irgendwo (z. B. zahlreiche Tüten) zu stopfen. So kannst du deinen Kram problemlos tragen und aufschichten und sparst somit Platz, nicht nur im Umzugs-Wagen, sondern auch in der neuen Wohnung. Das Zeug muss ja schließlich irgendwo hin!

#2 Kannst du bereits vor dem Umzugstag in die neue Bude, bereite die ersten kreativen Ideen vor: Streich deine Wände kunterbunt oder eben in frischem Weiß. Musst du noch renovieren? Dann bitte unbedingt bevor alles voller Kartons steht! Putz-Utensilien nicht vergessen!

Ich wollte meine Wand im Ombre-Look streichen, hatte auch alles dabei: Farbe, Pinsel, Abdeckzeug. Was hat gefehlt? Etwas um die Farbe aufzurühren (ich habe mir dann im Supermarkt eine Grillgabel gekauft), eine Leiter (schon praktisch bei einer Körpergröße von 1,63 m, der weiße Farbeimer musste als Tritt dran glauben) und was um Farbkleckse zu beseitigen (hier halfen dann Allzwecktücher).

#3 Der Tag des Umzuges: Denk bitte an Verpflegung für deine Helfer! Auch ‘nen kühles Bier zum Abschluss lässt die Anstrengung schnell vergessen.

#4 Du bist nun in deinen neuen vier Wänden angekommen und würdest am liebsten die Hände über den Kopf zusammenschlagen? Keine Panik. Erstmal sichten, verstauen, wofür du schon einen Platz hast und dann bohren. Wenn alles hängt, was hängen muss, räumt es sich gleich doppelt so schnell auf. Dabei spart es Zeit, erst alle Löcher anzuzeichnen und alles in einem Durchgang zu bohren. Erst danach die Regale und Accessoires anschrauben.

Es ist sehr frustrierend, wenn man voller Tatendrang loslegen will und vom Werkzeug wegen unvorhersehbarer Wandbeschaffenheit im Stich gelassen wird (In meinem Fall: Alter Plattenbau, steinharte Wände, Luschen-Bohrer). Schau dir lieber vorher deine Wände an und hol dir Tipps bei erfahrenen Handwerkern (Papa? Kumpel?) und besorg das passende Werkzeug.   

#5 Sollte doch nicht alles so schnell und einfach funktionieren, wie du dir erhofft hattest: Nimm dir selbst ein Bier, setz dich erstmal hin und entspann dich. Es geht auch später oder morgen oder übermorgen weiter!

Alles glänzt irgendwie neu

Umziehen ist immer eine Art Neubeginn. Schließlich zieht niemand ohne Grund um, sei es ein neuer Job in einer anderen Stadt, eine persönliche Veränderung im Leben oder einfach nur der Drang nach etwas Neuem. Bei mir war es bisher immer eine Mischung aus allem. Und auch jetzt fühle ich mich, als würde ein völlig neuer Teil meines Lebens beginnen. Das kann natürlich auch daran liegen, dass nun nicht nur muckout in meinem Leben existiert, sondern mit dem Launch unserer Webseite und dem Einzug in ein richtiges Büro (ja, auch wir haben in der Küche begonnen zu tüfteln, basteln und zu verpacken), alles irgendwie anders, alles irgendwie neu ist. Und das fühlt sich richtig gut an!

Miste aus!

Mit dem Neu-Einrichten begann ich auch mein altes Inventar genauer unter die Lupe zu nehmen. Was hab ich eigentlich? Was besitze ich? Und was davon brauche ich überhaupt? Da habe ich mich doch sehr in Marlenes Beitrag über den Minimalismus wiedererkannt, denn auch ich fing an darüber nachzudenken, mich nicht nur von der alten Wohnung, sondern auch von einigen Gegenständen zu verabschieden. Zugegeben, die neue Wohnung ist relativ klein, da muss man sich zwangsläufig von dem ein oder anderen Stück trennen. Doch bisher habe ich es immer geschafft, alles irgendwie und irgendwo unterzubringen. Wahrscheinlich sehe ich das auch immer als besondere Herausforderung: Mich so einzurichten, dass ich mich wohlfühle, es schick aussieht und alles seinen Platz findet.

Zurück aber zum Minimalismus: Es gibt dann doch immer Dinge, bei denen man sich fragt: „Wann habe ich das zum letzten Mal in der Hand gehabt? Und warum?“ So sind nicht alle Dinge in Umzugskartons gewandert. Und das befreit wirklich den Kopf. Ich fühlte mich mit jedem verabschiedeten Gegenstand oder auch Kleidungsstück etwas leichter.

Endlich selbermachen

Das Spaßigste an der ganzen Sache ist allerdings, dass man sich wirklich neu ausdrücken kann, in Form von DIY-Projekten von der Wandgestaltung bis hin zum Pimpen von alten und abgerockten Möbeln. Kurz bevor der Umzug dann von statten ging und alles eingepackt werden musste, habe ich mir schon einige Ideen und Inspirationen zusammengesammelt. Endlich mal wieder Zeit für einen Tapetenwechsel. Farben und Formen sollen dieses Mal auf jeden Fall andere sein als in den bisherigen Wohnungen. Da habe ich einiges in Angriff genommen und freue mich sehr, euch das in meinen nächsten Beiträgen zeigen zu können. Ich bin selbst sehr gespannt, wie es letztendlich aussehen wird, denn noch versinke ich – leider – ein klein wenig im Chaos. Zeit ist hier wirklich sehr hilfreich, wenn man sie denn hat. Ich halte euch aber auf dem Laufenden und zeige euch sehr gern ein paar Projekte, die ich in meiner neuen Butze umgesetzt habe.

Ausmisten für den Seelenfrieden

Minimalismus, Decluttering. Ausmisten ist in. Neumodischer Schnickschnack? Genau wie Matcha-Tee, Rainbow-Hair und Kylie Jenner wird auch dieser Trend bald in Vergessenheit geraten. Oder?

Minimalismus klang für mich immer so nach Öko-Dasein und mit spitzem Mund ausgesprochenen Phrasen à la „Das brauch ich alles nicht, ich umgebe mich nur mit minimalistischen Dingen, die mir die Natur schenkt.“ Unweigerlich musste ich dann an Öff! Öff! denken, den aus eben diesen Gründen bekannt gewordenen Aussteiger, der dem Konsum entsagte und eine Zeit lang im Wald lebte. Da hatte ich mich wohl geirrt.

Ausmisten ist nichts Neues. Seit dem Teenageralter verspürte ich mindestens einmal im Quartal den großen Wunsch meinen Kleiderschrank auszumisten. Immer jedoch aus dem falschen Grund: Kein Platz mehr und doch nichts zum Anziehen. Die hässlichen Sachen müssen weg und schönere dafür her. Meistens lief es darauf hinaus, dass ich mich nicht trennen konnte und zweite Reihen im Kleiderschrank einführte. Vielleicht mal zum Fasching oder fürs Malern, so die Devise.

So ging das viele Jahre, nicht nur bei den Klamotten, sondern auch bei all dem anderen Krimskrams, der sich so ansammelt. Bei all meinen drei Umzügen war für den Vorsatz, beim Kisten packen rigoros auszusortieren, plötzlich keine Zeit mehr. Egal, mach ich dann beim Auspacken, dachte ich und stopfte dann doch jedes Mal alles zurück in den frisch aufgebauten Schrank. Tür schnell zu, bevor was rausfällt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Denkste. Denn seit geraumer Zeit machte sich langsam, aber stetig eine diffuse Unzufriedenheit in mir breit. Ich konnte nicht ganz greifen, was es war, aber es machte mich träge, unmotiviert und unglücklich.

Den schweren Kopf gelangweilt in die Hand gestützt, scrollte ich durch meinen Facebook-Feed, als ein Artikel über Minimalismus meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Einen Klick später verschwand ich für die nächsten Stunden in einem Wust an Artikeln und YouTube-Videos. Ich stolperte sehr bald über “The Minimalists” (www.theminimalists.com), die sich dieses Thema zum Beruf gemacht haben und mit einem Blog, einer Dokumentation und Vorträgen die Kunde des „Weniger ist Mehr“ verbreiten. Alles was ich da las, hörte und sah klang so verdammt richtig. Schon bei dem Gedanken daran fühlte ich mich leichter. Mein Kopf hielt sich nun auch von ganz allein auf meinen Schultern.

Wo soll ich anfangen?

Die Hartgesottenen beginnen ihr minimalistisches Leben mit einer „Packing Party“, bei der sie all ihr Hab und Gut, wie bei einem Umzug in Kisten verpacken, alles gut beschriften und nach und nach nur das auspacken, was sie tatsächlich benötigen. Alles, was nach drei Wochen noch immer eingepackt ist, wird rigoros weggeschmissen, verkauft oder verschenkt. Auf diese Weise wird man laut Ryan Nicodemus, einem der Minimalists, circa 80% seines Besitzes los. Und das ist ganz und gar positiv gemeint. Ganz so extrem will ich nicht starten und stoße glücklicherweise auf eine etwas harmlosere und deshalb machbarere Methode. Ich miste systematisch aus. Und es wäre nicht das Internetzeitalter, wenn es dafür nicht einen mit einem Hashtag versehenen Namen gäbe.

#DeclutteringChallenge

Anstatt also meinen ganzen Besitz in Kisten zu verpacken – allein bei dem Gedanken bekomme ich Rückenschmerzen – nehme ich mir jeden Tag ein bisschen vor und dann immer ein bisschen mehr. Muss ich an Tag 1 nämlich nur ein Teil loswerden, sind es an Tag 5 fünf Dinge und an Tag 28 – du hast es erfasst. In 30 Tagen muss ich mich also von 465 Dingen aus meiner Wohnung getrennt haben.

Das geht mir in den ersten Tagen besonders leicht von der Hand.  Schon bei einem flüchtigen Blick ins Wohnzimmer stechen mir auf Anhieb gleich mehrere Kandidaten ins Auge. Die zwei Lebkuchenherzen, die keiner mehr essen mag und die nur mäßig zur Dekoration beitragen. Die silberne Etagere, auf der sich alles ansammelt (Kassenbons, Hustenbons), nur noch nie hübsch drapierte Lebensmittel. Bei genauerem Hingucken macht sich eine furchtbare Sammelleidenschaft bemerkbar: Kisten, Kästchen, Truhen. Allein von meinem Schreibtisch aus erblicke ich verdammt noch mal 28 davon. Große, kleine, geblümt, gestreift, aus Holz, aus Korb, aus Stoff, ohne Deckel, mit Deckel, als Truhe und überhaupt. Jede für sich hat ihren ganz eigenen Charme. Alle zusammen in einem Raum verursachen ein optisches Chaos. Schaut man in die Kisten rein, geht das Chaos weiter, sammelt sich hier wieder allerlei Kram, den niemand mehr braucht. Warum nochmal stehe ich so auf diese Kästchen?

Das muss alles weg oder zumindest reduziert werden. Auch der Kleiderschrank wird nun rigoros aussortiert. Mein neuer Trick für das “Ich-kann-mich-nicht-trennen”-Syndrom: Ich zwinge mich das Teil ein paar Stunden lang zu tragen. Manchmal entdecke ich dadurch ein fast vergessenes Kleidungsstück wieder, manchmal fühle ich mich nach nur wenigen Minuten total unwohl. Da fällt die Entscheidung leicht. Für guterhaltene Kleidung, Bücher, Dekorationen und Kleinstmöbel habe ich meinen ebay-Account wieder aufleben lassen. Alles andere wird gespendet, verschenkt oder kommt in den Müll.

Das Fazit

Nach 30 Tagen, mehr oder weniger kontinuierlich durchgezogen, habe ich noch nicht genug. Eher habe ich Blut geleckt. Ich will mehr. Beziehungsweise weniger. Der selbstauferlegte Zwang mich von Dingen trennen zu müssen, ist zum Spiel geworden. Ich schaue mit einem anderen Blick auf meine Besitztümer. Da schießt mir nicht nur die Frage: “Brauch ich das noch?” in den Kopf, sondern vor Allem auch die Frage: “Bin ich das noch?” Ich habe mich neu kennengelernt, bin mir meines Stils bewusster geworden. Ich habe mich von Dingen getrennt, die ich an Tag 1 noch für absolut essentiell hielt. Und das ist herrlich befreiend.

Neue Anschaffungen haben es nach einer solchen Entrümpelung recht schwer. Das auf Minimalismus konditionierte Hirn scannt nun alles genau ab. Brauch ich das? Geht es auch ohne? Kann ich das nicht auch vielleicht selbst machen? Das Zauberwort heißt Upcycling. Das spart Geld und macht stolz. Und es fühlt sich fantastisch an, wenn dir das Wenige, was du besitzt, so richtig viel bedeutet.

Wenn du noch mehr wissen möchtest, höre doch mal mein Interview mit dem Deutschlandfunk!

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