Schnitzeljagd mit Sticknlisten

*Werbung/unbezahlt*

Mirka war letztens in Bremen, hat Lukas Stegemann von Sticknlisten besucht und mir etwas mitgebracht. Für sie als Stick-Queen Kinkerlitzchen, für mich als Anfängerin gerade richtig. Sticknlisten ist ganz einfach erklärt: Man bestickt einen Jutebeutel oder ein Shirt und hört dabei ein Hörspiel. Klingt ganz spannend. Was also Besseres tun an diesem angebrochenen Montagabend?

muckout zu Besuch bei Sticknlisten in Bremen

Im Set von Sticknlisten befindet sich der zu bestickende Jutebeutel, fünf orangene Fäden, eine Sticknadel und natürlich das Hörspiel auf CD. Kurz muss ich überlegen, wie ich die CD nun abspielen soll, befindet sich mein einziger CD-Player doch im Badezimmer. Doch glücklicherweise sind DVD-Player ja auch in der Lage, die guten alten CDs abzuspielen und ich darf im gemütlichen Wohnzimmer bleiben.

Ich breite die Utensilien vor mir auf dem Tisch aus und lausche gespannt dem, was da kommen mag. Überschwänglich werde ich vom Bremer Rapper FlowinImmO begrüßt, der mir mit sympathisch hanseatischen Dialekt eine Anleitung für das Hörspiel gibt. Wenn ich gar keine Ahnung vom Sticken habe, solle ich zuerst die Internetseite www.sticklisten.de besuchen. Bevor ich irgendetwas falsch mache, tue ich das lieber mal. Hier erklärt mir Oma (tatsächlich Stegemanns eigene Oma) in einem kurzen Video das 1×1 des Stickens. Faden einfädeln, Knoten machen und an den Buchstaben entlang sticken. Ganz einfach also.

Press play – jetzt wird gestickt und zugehört

Dann kann es eigentlich auch schon losgehen. Ich liebe Hörbücher und Hörspiele, habe meine halbe Kindheit mit Bibi Blocksberg verbracht und schlafe fast jeden Abend mit Sherlock Holmes ein. Da kommen mir die Bremer Detektive, die in Folge 5 „Der Todesengel“ ein Bremer Mysterium aufdecken, gerade recht. Der Todesengel ist Gesche Gottfried, die zwischen 1813 und 1827 fünfzehn nahestehende Menschen verlor. Auf dieser armen Frau musste ein Fluch liegen, so dachte zumindest ein Großteil der Bremer Bevölkerung bis sich irgendwann herausstellte, dass Gesche all die tragischen Todesfälle selbst zu verantworten hatte. Arsen heißt hier das Zauberwort. Um diese mysteriöse Geschichte, deren genaueren Hintergründe ich im Nachhinein unbedingt bei Wikipedia nachlesen muss, dreht sich die Hörspielfolge. Die Protagonisten gehen dem Diebstahl der im Focke Museum ausgestellten Totenmaske der berühmten Giftmörderin nach und finden, wie in einer Schnitzeljagd, nach und nach zur Lösung.

Und ich bin auch mittendrin, statt nur dabei. Denn plötzlich wird die Geschichte durch einen Signalton unterbrochen. Ganz so erschrocken bin ich nicht, Immo hatte mich ja bereits vorgewarnt. Jetzt kommen die ersten Buchstaben, an denen ich entlang sticken soll. Das erste Lösungswort lautet „Gesche Gottfried“ und ich beginne mit dem Faden die Zeichnung ihrer Totenmaske zu komplettieren. Schnell merke ich Anfängerin aber, dass mir der vorgeschnittene, orangene Garn nicht ausreicht. Aber kein Problem. Ich krame in der Nähkiste nach brauner Wolle und sticke damit weiter. Klappt genauso gut und passt auch farblich zum Beutel. Weiter im Text. Beziehungsweise im Hörspiel. Während ich sticke, geht die Geschichte weiter, die jungen Detektive haben das nächste Wort erschnüffelt und der Ton signalisiert Runde 2. Da ich ein wenig hinterher hinke, muss ich kurz auf Pause drücken.

Schnitzeljagd mit Sticknlisten. Ein Erfahrungsbericht im mo-niversum, dem DIY-Blog von muckout.de

So macht Heimatkunde Spaß

Die Idee, mit einem Hörspiel die Bremer Stadtgeschichte aufzuarbeiten, gefällt mir. Würden mir all die Namen und Orte was sagen, wäre das Ganze sicher noch interessanter. Leider war ich bisher nur einmal in Bremen und kann mich nur noch an die Stadtmusikanten und die Wallanlagen erinnern. Die Geschichte macht aber neugierig und beim nächsten Besuch in Bremen werde ich sicher mal den Spuckstein aufsuchen, der an Gesches Hinrichtung erinnert. Das Konzept wäre wunderbar auf jede andere Stadt oder gar Stadtteile anwendbar. Erst letztens, als ich über Ostern einen Ortsfremden in meiner Heimatstadt begrüßen durfte und ihm all die schönen Dinge erklären wollte, geriet ich unangenehm ins Stocken. So oft bin ich schon an jenen Orten vorbei gelaufen, habe meine ganze Kindheit und Jugend hier verbracht und kann dennoch keine der schon so wenigen Sehenswürdigkeiten fehlerfrei und lückenlos erklären.

Beim letzten Stick-Bild bin ich so in der Geschichte drin, dass ich den Dieb schon vor den Bremer Detektiven gestellt habe und schon lossticke, bevor mir Immo die Reihenfolge der Buchstaben verrät. Fertig. Mein erstes gesticktes Werk, zumindest seit der Grundschule.

Kurz danach wird der Jutebeutel mein Begleiter, als ich mir endlich mal die Kirche näher anschaue, neben der ich seit fast drei Jahren wohne. Vielleicht erwartet mich hier auch eine spannende Geschichte.

Schnitzeljagd mit Sticknlisten. Ein Erfahrungsbericht im mo-niversum, dem DIY-Blog von muckout.de

Wenn du mehr darüber erfahren willst, wie die Idee zu sticknlisten entstanden ist und letztendlich umgesetzt wurde, dann schau dir Mirkas Artikel Zu Besuch bei sticknlisten an.

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