Offline ist der neue Luxus – #gönndir

Offline ist der neue Luxus liest man heutzutage häufiger. Schade, dass da was dran ist. Andererseits: Offline-Sein hast du selbst in der Hand, also kannst du richtig im Luxus schwelgen, wenn du willst…

In meinem Beitrag zu unseren Arbeitszeitversuchen bin ich schon ein wenig auf das Thema eingegangen: Man (ich) ist ständig on und es fehlen die Offline-Phasen. Ich bin dauernd in irgendwelchen Medien unterwegs, abgesehen von der Verlängerung meiner Hand, dem Smartphone, ist auch der Laptop ständig am Start. Oder der Fernseher ist an und streamt Netflix, obwohl ich die Wohnung aufräume. Es putzt sich offenbar schöner, wenn Phil Dunphy mir dabei zuguckt. Das geht mir immer mehr auf den Sack. Dieses Dauer-Online-Sein ist nicht nur nervig, es kann auch krank machen. Schließlich erhöht es den Stress-Pegel im Körper. Nachrichten, die dir Angst machen, Aufgaben, die dich überfordern, Anfragen für die du keine Zeit hast oder haben möchtest. Du setzt dich dauernd mit irgendetwas auseinander.

Wir bemerken schon gar nicht mehr, mit was für einer Flut an Informationen und Bildern wir uns jeden Tag ganz selbstverständlich vollstopfen. Und welche wir den ganzen Tag so in die Welt entsenden. Stell dir vor, du hast ein Leben und postest es nicht auf Instagram…

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Eine Dauer-Erschöpfung macht sich breit. Und man ist gehetzt und genervt und überhaupt und sowieso.

Zuviele Tabs im Gehirn

Letztens bin ich Zug gefahren und dabei ist mir etwas aufgefallen. Ich habe Zug-Fahren früher geliebt. Ich hatte immer einen MP3-Player mit meiner Lieblingsmusik dabei und hab aus dem Fenster geschaut. Die Gedanken sind überall hingewandert und ich fühlte mich nach längeren Strecken tatsächlich erholter. Wenn ich das Gefühl jetzt beschreiben müsste, würde ich sagen, ich konnte nach der Zugfahrt ein paar Tabs in meinem Gehirn schließen, daher auch das Gefühl von Erholung. Es wurde ruhiger im Kopf. Fahre ich jetzt Zug, habe ich das Telefon schon in der Hand bevor ich sitze. Klar hab ich auch Musik auf dem Telefon, aber deswegen hole ich es nicht aus der Tasche. Ich checke meine Mails, lese in den Nachrichten-Apps oder Twitter oder arbeite, denn das geht (zum Glück?) ja teilweise mit dem Smartphone. Ich öffne also noch mehr Tabs im wörtlichen und übertragenen Sinne.

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Wie oft passiert es dir, dass du gerade etwas machst und dann dein Telefon piept und du vergisst, was du eigentlich gemacht hast? Ich steuer häufig durchs Büro und vergesse, warum ich überhaupt vom Stuhl aufgestanden bin. Das ist nicht nur ineffizient, es nervt einfach! Also möchte ich das gerne ändern.

Digital Detox – was man tun kann

Ein komplettes Entgiften vom Digitalen bekomme ich nicht hin. Höchstens im Urlaub für ganz kurze Zeiträume, eine Entgiftung würde ich das nicht nennen. Ich habe mich allerdings etwas in diesem Zuge beobachtet und habe meine Verhaltensweisen geändert bzw. versuche gerade sie zu ändern. Zum Beispiel darf mein Telefon nur im Flugmodus ins Schlafzimmer, also ausschließlich in seiner Funktion als Wecker. Wenn ich morgens aufwache, wird der Flugmodus noch nicht ausgestellt. Dies passiert erst im Büro. Vorher war ich noch anderthalb Stunden (ohne Telefon) mit dem Hund auf dem Feld und hab im besten Fall schon gefrühstückt. Im Büro bin ich dann bereit für all den Kram, der da kommen mag.

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Ich hab zwar noch die Apps für meine E-Mail-Konten auf dem Telefon, aber ich hab die Benachrichtigungen ausgestellt. Dies nicht nur mit dem Ziel, nur in der Arbeitszeit zu arbeiten. Mir ist außerdem aufgefallen, dass ich häufig auch während der Arbeit alles liegenlassen habe, weil eine Mail kam und diese dann beantwortet habe. Mails müssen einfach warten können, bis man die nötige Zeit hat sie angemessen zu bearbeiten.

Früher hab ich sehr sehr viel gelesen. Seit das Internet so leicht zugänglich ist und noch mehr seitdem es verhältnismäßig günstige Streaming-Anbieter gibt, verdaller ich meine Zeit mit Serien und Filmen. Ich habe zwar Filme schon immer geliebt, aber jetzt schlinge ich sie nur noch so runter. Ich kann mich Wochen später nur selten an die grobe Handlung erinnern und weiß meistens nicht mal mehr, ob sie mir gefallen haben. Natürlich checke ich nebenbei alle Schauspieler in meiner Imdb-App aus und stelle fest, dass ich sie schon in so und so vielen anderen Filmen gesehen hab, die ich auch kurz bei Imdb auschecken muss. Oder man hängt mit Freunden zusammen und redet über seine Lieblingsserien. Wenn ich nicht gerade eine richtig tolle schaue, muss ich schon lange überlegen, um meine Highlights aufzählen zu können. Reines Entertainment-Fast-Food.

Ich lese also wieder etwas mehr. Zumindest versuche ich das. Denn: es fällt mir gar nicht mehr so leicht. War ich früher stundenlang in der erzählten Welt unterwegs, komm ich jetzt nur noch schwierig in die Geschichten. Ich hoffe, dass das nur etwas Übung bedarf.

Es gibt viele Dinge, die du machen kannst, um digital kürzer zu treten. Vor allem musst du deine Gewohnheiten ändern! Wertvolle Tipps zur digitalen Entgiftung findest du auf sueddeutsche.de

Go unplugged, go creative!

Weil das Smartphone soviel kann – Wecker, Kalender, Einkaufszentrum, Kamera, Taschenlampe, Wegweiser, Briefkasten, Bank etc. – hat es uns einfach total in der Hand statt andersrum. Daher müssen wir unsere Hände beschäftigen, wenn wir eine Handy-Auszeit wollen.

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Für mich ist es seit knapp zwei Jahren das Sticken und Basteln. Da wir auch über unsere DIY-Abenteuer bloggen, ist es für mich wichtig, hin und wieder Sachen zu basteln, die nicht auf dem Blog landen, weil es dann keine wirkliche Entspannung wäre. Die kreative Beschäftigung darf manchmal kein digitales Ziel haben, weil man dann nicht wirklich abschaltet. Einfach mal einen Kuchen backen, Pflanzen umtopfen oder Geschenke basteln und nicht darüber bloggen oder bei Facebook und Instagram berichten, kann eine wohltuende Wirkung haben. |

Gönn dir ein Wochenende Luxus-Urlaub

Wenn Offline der neue Luxus ist, ist ein Luxus-Urlaub gar nicht mal teuer. Einfach mal ein Wochenende das Telefon und den Laptop auslassen und sich voll analog mit Leuten treffen, backen, basteln und sich einfach mal nicht stören lassen.

Mirka und ich planen ein solches verlängertes (!) Wochenende über Ostern. Solltest du auch sowas Planen und noch etwas mehr Inspiration benötigen, schau doch mal bei Zeitjung vorbei: Digital Detox: 6 Dinge, die du lernst, wenn du ein Wochenende offline bist.

Wenn du es nicht allein schaffst, kannst du auch ein Digital Detox Camp besuchen. Ich werde es jedenalls erst mal weiter so versuchen!

Hast du Tipps für mich oder möchtest von deinen Gedanken und Erfahrungen erzählen? Dann lass mir doch einen Kommentar da!

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